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09

Dez

2011

Das System Hartz IV und die systematische Umsetzung

Nachstehend möchten wir eine Mail veröffentlichen, die wir erhalten haben. Sie steht stellvertretend für viele Mails oder Berichte, die wir ständig so, oder in ähnlicher Form, erhalten.

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Ich wende mich nun an Sie, weil ich absolut nicht mehr weiß was ich machen soll.

 

Ich hatte heute einen Termin im Jobcenter Zwickau bei Frau Reitz. Ich sollte kommen um mich über meine momentane Situation mit ihr zu unterhalten.

 

Vorgeschichte:

 

Im Juni 2011 verstarb plötzlich meine kleine Tochter. Infolgedessen zog ich in meine alte Heimat Neukirchen und war bis November krankgeschrieben. Als ich heute zu diesem Termin ging, hoffte ich auf etwas Verständnis. Trotz zusenden der Sterbeurkunde, des Krankenscheins etc., war es wohl Frau Reitz entgangen und sie erklärte mir heute meine Elternzeit sei ausgelaufen und sie würde interessieren was ich nun vorhätte. Ich entgegnete ihr, dass ich seit Juni nicht mehr in Elternzeit sein könne, da zu dieser mein Kind verstorben ist und ich die Ämter darüber mehrmals informiert habe. Nichts desto trotz erklärte ich das ich gelegentlich bei einem Bestatter mithelfen würde. (durch das Hospiz ins Rollen gekommene Therapieaktion) dies allerdings nicht mein Berufswunsch wäre, sondern momentan hilft mein Schicksal zu verarbeiten.

 

Sie entgegnete mir das könne ich nicht machen und ich hätte dann keinen Anspruch mehr auf alg2 da ich es nur beziehen darf wenn ich etwas tue was mal auf eine Lehrstelle hinausläuft. Sollte ich aufgrund meiner psychischen Verfassung keine 3 Stunden arbeiten können bin ich ein Fall fürs Sozialamt. Feierabend!

 

Ich wurde noch nie so pietätlos behandelt und würde nun gerne wissen wie lange ich denn "krank" sein darf, ohne ein Fall fürs Sozialamt zu sein?

 

Vielen Dank für ihre Hilfe.

 

 

 

Es ist eine Schande, dass man mitten in Europa, in einem der reichsten Länder, wo Milliarden für Bankster zur Verfügung gestellt werden, wo Steuerhinterziehung eher ein Kavaliersdelikt ist und wo den Reichen das Geld förmlich aufgedrängelt wird, solche sich zur Spezies Mensch zählende Subjekte sich so ungestraft aufführen dürfen.

 

Diese ganze Behandlung der Hilfebedürftigen durch die Schergen der JCs (nicht alle Mitarbeiter der JCs beteiligen sich) ist ein einziger Skandal. Leider interessiert sich niemand dafür. Man ist zwar in der Linken gegen Hartz IV, aber der Leidensweg der Betroffenen und ihre Behandlung in den Ämtern will einfach nicht wahrgenommen werden. Auch die Gewerkschaften stecken diesbezüglich den Kopf in den Sand. Auch Unterstützung ist von dieser Seite nicht zu erwarten, wie wir am Donnerstag wieder erfahren mussten.

 

Nach unserer Demo statteten wir Kerstin Eger von ver.di in Zwickau einen Besuch ab und baten sie um Unterstützung für unseren Verein. Sie lehnte definitiv eine Unterstützung für Gegenwind ab.

 

Wenn nicht mal die Parteien und Organisationen sich für die unwürdigen, ja schon kriminellen Behandlungsmethoden der Jobcenter interessieren, die sich offiziell den Kampf gegen Hartz IV auf die Fahnen geschrieben haben, dann sieht es ziemlich finster aus. Aber eine angepasste Strategie zu den Herrschenden ist eben bequemer, als den Betroffenen effektiv zu helfen.

 

Die Einzelschicksale der Menschen werden bewusst ausgeblendet, wenn überhaupt, wird mal in einem akuten Fall geholfen, aber das war es auch schon. Es ist völlig unverständlich, wie ein solches Regime der JCs sich so etablieren kann und alle schauen weg. Am Ende hat es dann wieder mal keiner gewusst.

 

Mir kommt ständig das 3. Reich in den Sinn, wenn ich die Berichte der Betroffenen höre. Die anderen hören lieber weg. Hartz IV sind in erster Linie Menschenschicksale, dass sollte endlich mal zur Kenntnis genommen werden.

 

A. Pianski

 

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Kommentare: 6

  • #1

    M. Madaus (Samstag, 10 Dezember 2011 13:58)

    Als ich diese Mail der jungen Frau gelesen habe, kam in mir wieder eine unendliche Wut hoch. Was ist denn mit den Mitarbeitern los, was für eine Art mit Menschen umzugehen trauen sie sich denn noch? Da bringt man schon etwas Verständnis auf, dass in den Jobcentern auch nur die Ellenbogen regieren und einige in der Richtung auch nicht so können u. dadurch krank werden. Das Verständnis bleibt ab solchen Auswüchsen vollkommen weg, die wenigen guten Mitarbeiter haben dann also Pech gehabt, durch solche wie die Frau Reitz werden natürlich alle in einen Topf geschmissen, wie man so schön sagt. Das passt in ein anderes Bild, eine werdende Mutti kam aus dem Jobcenter auch Leipziger Str. und hatte nachgefragt wann denn das Geld für die Babyausstattung gezahlt würde, sie bekam die Antwort: „wenn das Kind da ist, es kann doch auch eine Totgeburt werden u. da müssten sie dann zurückzahlen“. Dass, auch diese werdende Mutti mit Tränen in den Augen das Jobcenter verlassen hat ist doch klar. Das Schlimme an diesem Fall war noch, dass eine Fehlgeburt vorausgegangen war und ein Risiko vorlag und dann gibt es solche „einfühlsame Damen“ die den Muttis mit Worten in den Bauch treten.
    Frau Reitz, müsste meiner Meinung nach sofort weg vom Kunden, solche Mitarbeiter gehören dahin wo sie keinen großen Schaden anrichten können. Mir geht der Gedanke im Kopf herum, wie geht das Jobcenter-Management, sofern es dort ankommt mit solchen Leuten um oder liegt diese Ausuferung des menschenunwürdigen Verhaltens gar am Management? Das sind Fragen über Fragen, eines können sich die Mitarbeiter sicher sein, solche Sachen kommen, wenn wir sie erfahren an die Öffentlichkeit.

  • #2

    s. o. (Samstag, 10 Dezember 2011 14:18)

    Zu ver.di,
    am 1.Mai dieses Jahres war der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Frank Bsirske in Zwickau, unter anderen hat er sich an unserem Stand mit uns über die Arbeit mit den Erwerbslosen unterhalten. Er fand die Arbeit die wir ehrenamtlich tun gut und sagte uns bei Problemen auch ver.di-Unterstützung zu, seine Worte „er habe da immer ein offenes Ohr“. Nanu Frau Eger, sollen wir uns nach oben wenden, weil Sie uns nicht mögen oder wie verfahren wir weiter?
    Wir sollten zu Ihnen sagen, das klingt jetzt nicht gut aber „schmieren Sie sich Ihre Unterstützung in die Haare“. Wir als ver.di-Mitglieder wissen jetzt genau was wir von Ihnen zu halten haben, machen Sie weiter so, Spitzenfunktionärin.

  • #3

    Hans M. (Sonntag, 11 Dezember 2011 11:02)

    Mitarbeiter des JC sollten mal ein Lehrgang für Moral und Ethik besuchen. Mit Ihrem pietätslosen Geblubber, was teilweise schon faschistische Auswüchse annimmt, hat man im
    öffentlichen Dienst nichts zu suchen.Wie wäre es mal mit einer Hausdurchsuchung im Jobcenter. Ich glaube die arme Frau hat durch den Verlust Ihres Kindes schon genug gelitten.
    Ich würde sagen, das eine öffentliche Entschuldigung das Mindeste ist, was der Jobcenter machen sollte. Man sollte sich hier überlegen Anzeige zu erstatten, die Frage ist nur, mit welcher Begründung ?
    Ich finde das "nicht nur" absolut geschmacklos!

  • #4

    pfiffi (Montag, 12 Dezember 2011 17:21)

    Die Ähnlichkeit oder besser gesagt das wiederholen, der Zeit von 33 - 45 ist schon frappierend.
    Wir wissen es alle, sind machtlos und ohnmächtig, wissen oft nichts dagegen zu tun, hier mal ein Text der einen erschauern lässt:
    http://die-sonne-geht-wieder-auf.beepworld.de/zukunftsaussicht.htm

    Das wir auf "gewählte" oder andere Funktionäre nicht hoffen brauchen haben doch die Jahre zwischen 45 - 89 in der DDR gezeigt, oder wie ist z.B. sonst das gelabber derer aus Leipzig zu verstehen, ja wir haben nicht geschossen wiel wir die Verantwortung nicht übernehmen wollten. Das war übrigends Ihr Glück, nicht unseres, Revolution war es nicht, denn eine solche das sollten sich die jetzt herrschenden klar sein, ist immer "blutig".

  • #5

    rasant (Dienstag, 13 Dezember 2011 06:18)

    Was erwartet Ihr alle von einer/m JC-MitarbeiterIn? Etwas Mitgefühl, Takt oder Verständnis???

    Ausser Schikanen so wie Lug und Triug gibt es dort nichts!!

    Rasant

  • #6

    Pfiffi (Dienstag, 13 Dezember 2011 18:07)

    Anderes Wort für "Selektion ohne Rampe".
    Hartz4
    Wir brauchen Auschwitz nicht mehr.

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