Fr

02

Sep

2011

Jung, dynamisch und neugierig

Am Mittwoch 31.08.11, hatte ich das erste Mal Gelegenheit in einem Personal-Leasing Unternehmen, einfach Zeitarbeitsfirma, bei einem Termin zugegen zu sein.

Diese Firma wirbt mit dem Slogan „Der Mensch im Mittelpunkt“, da fängt schon die Scheinheiligkeit an, eine Zeitarbeitsfirma bei der, der Mensch zumeist der Arbeitslose im Mittelpunkt steht, zum Lachen wenn nicht alles so ungemein ernst wäre.

 

Die Firma befindet sich am Kornmarkt in Zwickau und ein Bekannter war zu einem Vorstellungsgespräch geladen, da er sich angeblich für die Firma „Persona Service“ interessiert hat. Bis zu diesem Mittwoch hatte mein Bekannter jedenfalls nicht einmal die Ahnung, dass es die Firma gibt und, dass er Interesse an ihr haben sollte, war ihm unerklärlich. Wie es so ist in dieser Arbeitslosenindustrie, da wird gelogen dass, sich die Balken biegen und auch die Agentur für Arbeit von der das sogenannte Vermittlungsangebot kam ist keinen Deut besser wie das Jobcenter.

 

Der Unsinn ging dann noch so weit, dass der Ansprechpartner für ihn, nicht die Agentur war, sondern sein Vermittler im Jobcenter, der wiederum hatte keine Ahnung von diesem Angebot. Aber das noch alles zu erklären wie die Irrwege in der Arbeitslosenindustrie so sind, würde hier u. jetzt die ganze Sache verkomplizieren. Ich bleibe bei der Firma, wo der Mensch im Mittelpunkt steht, der 1. Schritt zum neuen Job war erst mal ein Bewerbungsbogen, der mit allen Details über Person u. Arbeitsleben etc. ausgefüllt werden sollte. Warum das Ganze so gehandhabt wird konnten die jungen Damen an der Information nicht erklären u. bei jeder Frage, die an sie gestellt wurden, lies die aufgesetzte Freundlichkeit nach.

 

Als mein Bekannter dann diesen Ausfragebogen ohne Unterschrift abgab und sich auch nicht ablichten lassen wollte, war die Antwort dann, „nun wenn sie nicht wollen, dann werden sie sehen“. Wir haben gewartet, da ein Bewerbungsgespräch stattfinden sollte. In der Zeit, haben wir uns die ganze Werbung der Firma, die an den Wänden hing oder per Katalog einzusehen war, etwas genauer angesehen. Meine Meinung war dann, dass mein Bekannter mit Ende 50, in das ganze Image nicht passt, alle Gesichter der Werbung jung, dynamisch, lebensfrohes Lächeln, also keine/keiner über 35 und mein Bekannter hatte noch gesundheitliche Einschränkungen, das hat nun überhaupt nicht gepasst.

 

In der Zeit des Nachdenkens kam dann wieder eine junge Dame auf uns zu, sie bat meinen Bekannten nun zu diesem sogenannten Bewerbungsgespräch u. ich durfte dann auch mit. Es stellte sich dann schnell heraus, dass durch diese Einschränkungen, die gesundheitlich bestehen, der angedachte Job, nicht machbar ist und das Auswahlverfahren des Jobcenter, welches an die Agentur für Arbeit gemeldet war, wieder einfach willkürlich ausgeführt wurde. Alle Erwerbslosen, die für den Job als geeignet erscheinen, kommen in einen Pool und dann werden ein paar rausgeangelt und ab geht es.

Wenn über einen Erwerbslosen alle Einschränkungen die, die Gesundheit betreffen bekannt sind, dann kann man sich solche Späße einfach sparen. Denn aus der EinV, die für das Jobcenter so wichtig erscheint, steht keine Zeitarbeit explizit drin. Bei so etwas kommen mir die von der Leyen-Worte in den Sinn, „die älteren Erwerblosen werden die Gewinner auf dem Arbeitsmarkt sein“, ein Hohn.

 

Gerade in der Altersgruppe über 50, sind doch gesundheitliche/körperliche Einschränkungen nicht selten und dieses Klientel will man dann über Zeitarbeitsfirmen auf den Arbeitsmarkt bringen. Da sollten die, die dafür die Verantwortung tragen mal das Gehirn einschalten und darüber nachdenken, dass ein über 50 Jähriger nicht gerade dafür geeignet ist, jedes halbe Jahr sich einen neuen Job zu suchen oder weiter verliehen zu werden, Ausnahmen soll es ja geben, die sind aber hier nicht die Regel.

Hier wird wieder nur an den Gewinn gedacht, den man mit der Zwangsvermittlung an irgendwelche Firmen einfährt. Der Mensch, der hinter dem Erwerbslosen steht, ist völlig egal, Hauptsache die Kohle stimmt in den Firmen. Bei denen die verliehen werden, stimmt die Kohle so gut wie nie, warum?

 

Zeitarbeit/Leiharbeit ist die moderne Art des Sklavenhandels.

 

M. Madaus

Kommentar schreiben

Kommentare: 5

  • #1

    Rudolph, Robby (Freitag, 02 September 2011 20:43)

    Ich wiederhole mich mal, um die Bedeutung deutlicher hervorzuheben. Das geschilderte Erlebnis von M.Madaus ist eine ganz typische Situation, mit Verweigerung der Unterschrift zum "Personalbogen" im Hause des "Humanverkehrs" Irritationen auszulösen. Es lässt darauf schließen, das noch viel zu wenige sicher der Bedeutung bzw. Rechte bewusst sind, sonst würden sie aufgrund einer Erfahrung "besser" reagieren.

    Oftmals, ist der Personalbogen bestandteil des möglich zustandekommenden Arbeitsvertrages. Die Angaben im Personalbogen bekommen also "später" eine besondere Relevanz, die zum Zeitpunkt des ausfüllens des Bogens dem pot. Bewerber vermutlich kaum bewusst sein dürfte. Sollte beispielsweise ein Bewerber/Bewerberin gesundheitliche Einschränkungen, persönliche Verpflichtungen o.ä. im Personalbogen weglassen, um sich z.B. keine Nachteile für die Bewerbung einzuhandeln, für eine Arbeitsstelle/Arbeitsbedingungen die mitunter zu diesem Zeitpunkt gar nicht bekannt sind, fehlen anschließend im Arbeitsvertrag (AV) bzw. dem "Händler" wichtige Informationen. Stellt es sich weiter beispielsweise heraus, die Tätigkeit erfodert langes stehen an einem Fleck und der pot. Bewerber kann dies nicht mehr über einen längeren Zeitraum, ist der AG fein raus wenn Probleme auftauchen sollten. Denn bindend ist ausschließlich der AV (+TV), das eingehen eines Vertrages sowie Regelungen zum auflösen (Kündigung) eines Vertrages. Ist der Arbeitgeber also von vornherein über "Besonderheiten/Einschränkungen" (z.B. Höhentauglichkeit) informiert (diese müssen keineswegs ein ärtzl. Attest oder Gutachten bedingen) überträgt sich die Verantwortung vom Bewerber auf den AG welches in der Praxis sein Direktionsrecht möglicherweise (je nach Fall und Beispiel) einschränkt. Oder einen erhöhten Krankenstand erklärt, sofern die Tätigkeit den "Einschränkungen" zuwiderläuft. Damit muß dann der AG halt leben bzw. abwägen, da er Kenntnis vor der Einstellung davon hatte und somit dies sich ebenso dann auf eine Kündigung bzw. dem Kündigungsgrund auswirkt.
    Deshalb ist es m.E. völlig richtig und legitim die Unterschrift zum Personalbogen zu verweigern bis nicht alle Verträge und Details zugänglich sind. Die Vertragsfreiheit (die Theorie zumindest ^^) geht von einer gleichgewichtigen "Partnerschaft" beider Seiten aus, so das jede Seite auf gleicher Augenhöhe die Interessen jeweils frei und ohne Zwang abwägen kann. Einen Personalbogen unterschrieben auszufüllen, der dann noch entzogen wird (in der Regel immer! Warum?) manövriert den Bewerber zusätzlich in eine defensivere Rolle und der AG gewinnt über "Aktion" und "Zeit" mehr Überlegenheit im Verlauf seine Interessen zu seinem Gunsten zu gestalten. (Auch Drohungen fallen darunter wie beispielsweise: "Wenn sie nicht wollen..." ; "Sie werden ja sehen..." ; "Muß ich der ARGE melden...; ...bin ich verpflichtet zu melden" ...und noch mehr Dümmlichkeiten!

  • #2

    Rudolph, Robby (Freitag, 02 September 2011 21:00)

    Berichtigung:

    "Rechte bewusst sind, sonst würden sie aufgrund einer Erfahrung "besser" reagieren."
    Könnte möglicherweise unterschiedlich aufgefasst werden.

    "sie" bezieht sich auf die Leihbude.

  • #3

    Hjrelitzki (Sonntag, 04 September 2011 11:24)

    @ Robby
    Hallo Robby,
    Wie wäre es, wenn Du mit Deiner Kompetenz und Sachlichkeit bei uns mitmachen würdest?
    Wir können jede Unterstützung gebrauchen!
    Ueberleg es dir mal!

  • #4

    uwetam@freenet.de (Donnerstag, 08 September 2011 08:38)

    wem nutzt das wissen und das recht, wenn jene, die das geld haben, uns in die knie zwingen können, indem sie uns das geld (ob rechtens oder nicht) verweigern, bzw. die auszahlung durch fingierte unterstellungen verzögern.

    mit dem reden und klagen erwirtschaften die betroffenen zwar irgendwann das recht, aber nicht die rechte die ihnen eigentlich sowieso zustehen.

    ihr habt 1989 nicht nur geredet - ihr habt gehandelt.

    jetzt füttert euch der staat und ihr seit handlungsunfähig.

    machen wir uns nichts vor - die, die heute schreien, das h4 ist ungerecht, sind jene aus kirche,gewerkschaft und staat, die damals dafür waren, weil der kurzzeitige faktor dadurch billige arbeitskräfte hervor rief.

    doch heute, fallen jene billige jobs (1 €) weg und jetzt erinnern sie sich, das h 4 ungerecht ist.

    alles heuchler, ich schaue auf zu den menschenin spanien, italien u. a. die zu dem stehen was siewollen und sich nicht hinter angebliche rechte verkriechen, die ihnen nicht zugestanden werden.

  • #5

    Rudolph, Robby (Donnerstag, 08 September 2011 19:10)

    Hallo Hjrelitzki,
    selbst wenn, kräftemäßig geht kaum noch was. Mein derzeitiges Arbeitsverhältnis läuft in Kürze aus bzw. steht zur Verlängerung. Und da man sich 3 Monate im vorraus beim Amt diesbezüglich melden muß, kommen dann auch gleich die "Vermittlungsvorschläge" und "Aufforderungen zur Bewerbung" in`s Haus geflattert. Zusammen mit 3-Schicht, weil das noch nicht anstrengend genug ist, darf ich mich seit kurzem tägl. bewerben, zusätzlich zu den Bewerbungen die ich aus Eigeninitative erbringen muß. Mit dem Kopf ist man eigentlich ganz woanders, man "hofft" ja eigentlich aus dem Leiharbeitsverhältnis rauszukommen und fest übernommen zu werden. Man ist also bestrebt seinen Job ordentlich zu erfüllen und pünktlich sowie auch fit zu sein. Nun ist allerdings eher die Zeit verordnet, anderen Firmen sein Interesse zu bekunden wie es in den Bewerbungen vorab verlangt und stetig angeraten wird. Sich mit dem pot. Unternehmen auseinanderzusetzen und seine "Begeisterung" und Interesse kund zu tun. Davon sollte der derzeitige AG allerdings nichts mitbekommen, denn er könnte als Desinteresse an seinem Unternehmen auslegen oder werten, was sich wiederum möglicherweise negativ auf eine Verlängerung oder Übernahme auswirken könnte.
    Auf die Gewerkschaft (DGB) kann ich diesbezüglich nicht zählen, ihre Interessen weichen davon erheblich ab. Sie verfolgen ihre eigenen Ziele, über einen völlig verklärten und propagierte "Solidaritätsbegriff bzw. -auslegung". Ob Übernahme oder berufliche Weiterentwicklung, verknüpft die örtliche IGM-Zwickau eine Mitgliedschaft mit der persönlichen Existenz eines Einzelnen. Im Fachjargon bzw. Informationsblättern gibt sich dies über eine sog. "tarifliche Eignung" zu erkennen. Tarifliche Eignung bedeutet schlichtweg Mitglied der IGM zu sein und wird als zusätzliches Kriterium für etwaige Entscheidungen (Übernahme; berufliche Fortentwicklung) herangezogen. Damit unterläuft die IGM-Zwickau m.E. bewusst wissentlich die allg. Koalitionsfreiheit EMRK Artk.11 sowie Art. 9 Abs. 3 GG. Denn in der sog. negativen Koalitionsfreiheit einer Betrachtung, wenn Mensch sich frei entscheiden darf, dann darf er auch nicht gezwungen werden einer Organsition beizutreten oder durch Nichtmitgliedschaft benachteiligt zu werden. (siehe SED-DDR) Und natürlich wird auch niemand gezwungen ;), allerdings darfst du dich entscheiden zwischen Mitgliedschaft zur örtlichen IGM-Zwickau oder einen steinigem Weg deines beruflichen Werdeganges. Das Lösungsmittel quasie zum Klebeeffekt. ;)

  • loading