Mi
13
Jul
2011
Hausbesuch und das Ende
Es geht um den Hausbesuch des Schnüffeldienstes des Jobcenters Zwickau, über den wir hier schon berichteten.
Nach dem gescheiterten zweiten Besuch der beiden Sozialschnüffler vom Jobcenter bei unserem Hilfebedürftigen haben wir als allererstes einmal schriftlich eine Kopie vom Prüfprotokoll und von dem Schreiben, was der Hilfebedürftige unterschrieben hat, angefordert. In dem Schreiben wurde gebeten, die beiden Kopien doch bis zum 01.07.2011 zuzusenden. Das ein Jobcenter, zumal das Zwickauer, das total ignoriert, war eigentlich schon eingeplant. Also sind wir heute mit dem Betroffenen losgezogen, um die Papiere selbst zu holen.
Zuerst sind wir in der Leipziger Str. 160 vorstellig geworden, dort, wo der Sitz des Dienstes ist. Herr Strobel und Frau Then waren nicht anwesend und der BMW stand auch nicht auf seinem Parkplatz, so dass vermutet werden muss, dass wieder ein Hartz-IV-Betroffener ausspioniert wurde. Stattdessen haben wir mit der stellvertretenden Teamleiterin gesprochen. Sie kannte das Schreiben des Betroffenen offensichtlich, redete sich aber damit raus, dass sie Urlaub gehabt hat, was heißen soll, dass deswegen keine Reaktion erfolgt ist.
Das ist aber eine schwache Vorstellung, denn wer, außer ausgerechnet der stellvertretenden Teamleiterin, hätte schon ein solches Schreiben verschicken können. Damit stand nun fest, dass wir noch dem Jobcenter auf der Werdauer Str. einen Besuch abstatten mussten. Dort angekommen mussten wir feststellen, dass den ganzen Mittwoch geschlossene Veranstaltung ist. Mittwochs ist man nun nicht mehr für seine Kundschaft zu sprechen, dass liegt wahrscheinlich an der kaum noch vorhandenen Arbeitslosigkeit, denn vor nicht allzu langer Zeit war vormittags die ganze Woche geöffnet. Zum Glück war der Security-Mann, Herr Wolff zugegen, denn er musste Portier spielen und die Kundschaft mit einer Einladung in die heiligen Hallen lassen.
Wie zu erwarten war, sollte sich für unser Begehren die Tür nicht öffnen. Nach einer etwas deutlichen Intervention bewegte sich Herr Wolff zumindest und versuchte die Teamleiterin zu erreichen, die zuständig war. Leider war sie nicht zu erreichen, da gerade in einer Besprechung und so baten wir ihn, doch einmal die Sachbearbeiterin zu informieren. Das lehnte er entschieden ab, auch die Standortleiterin wollte er partout nicht benachrichtigen. Das sich abkapseln, auf Termine verweisen, über einen Einlassdienst die Leute abzuweisen, all das hat System und soll den Betroffenen zeigen, dass sie abhängig sind, demütig sein sollen und das ihre Ansprüche doch nicht wichtiger wie die Amtsgeschäfte sind. Dies gilt es zu durchbrechen und das ist auch die Maxime von Gegenwind.
Ich lehnte mich so ungeschickt an die Tür, dass der Klingelknopf die ganze Zeit gedrückt wurde, indes Moni über die Hotline die Standortleiterin, Frau Schürer informierte. Die kam dann auch sehr schnell, wobei der Herr Wolff etwas verdutzt dreinschaute. Sie wollte dann nur mit unserer Moni sprechen und ließ den Betroffenen und mich draußen stehen. Nach einer Weile kam sie zurück und wollte den Betroffenen holen, den sie im Eifer des Gefechtes vergessen hatte. Wiederum lehnte sie meine Anwesenheit bei dem Gespräch ab. In voller Kenntnis der Gesetzlichkeiten ist die Verweigerung eines Beistandes schon eine ziemliche Frechheit, aber auch nicht weiter verwunderlich, tritt Frau Schürer doch offensichtlich in die Fußstapfen ihres Vorgängers Herrn Große, der sogar gelogen hat. In einem Akt der Selbstermächtigung riss ich ihr die Tür aus der Hand und schlüpfte mit ins Jobcenter.
In Rhetorik unübertroffen redete sie nur mit dem Betroffenen und blockte jede Äußerung zu dem Vorgang von mir ab, obwohl ich ja bei dem Hausbesuch zugegen war. Ich machte ihr dann klar, dass auch Beistände sich äußern können und das ihnen auch zugehört werden muss. Da man aber davon ausgehen kann, dass das einer Standortleiterin bekannt ist, ist es ein Akt der Unhöflichkeit gegenüber dem Beistand. Verwunderlich ist nur, dass Frau Schürer in ihrem sonstigen Auftreten sehr korrekt erscheinen will und über den Dingen stehend. Hier kann man nur vermuten, dass das Auftreten nur gespielt, sozusagen Fassade ist.
Das wichtigste ist und bleibt aber das Anliegen des Betroffenen. Frau Schürer holte das Prüfprotokoll und übergab es dem Betroffenen. Es stellte sich letztlich heraus, dass es auch das Dokument war, was er unterschrieben hatte. Nun hatte er auch den wahren Grund der Schnüffelattacke erfahren. Es ging um die Größe der Wohnung. Frau Schürer bestätigte auch, dass inzwischen alles in Ordnung ist und das Verfahren abgeschlossen. Rechtswidrig bleibt das Verschweigen des wahren Grundes des Besuchs und das Verlangen der Kontoauszüge am zweiten Tag. Dies haben wir aber glücklicherweise verhindert, indem mal nicht die Schnüffler das Geschehen bestimmt haben, sondern Betroffener mit Beistand.
Hätte man dem Hilfebedürftigen das Prüfprotokoll zugesandt, wäre mir die viele Schreiberei und dem Jobcenter wieder einmal das peinliche Versagen erspart geblieben.
A. Pianski
Kommentare: 2
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#1
Wie Du schon geschrieben hast, das hat System und ist gewollt.
Weiter so und nicht unterkriegen lassen. -
#2
<Dies gilt es zu durchbrechen und das ist auch die Maxime von Gegenwind.>
Und Pfiffi1: <Wie Du schon geschrieben hast, das hat System und ist gewollt.>
Jepp!
Liebe und solidarische Grüße aus Köln 
Gegenwind e. V.
Arbeitsloseninitiative
Glauchau-Zwickau-Cloppenburg






