Do

16

Jun

2011

Unter Beobachtung

Es war heute mal wieder soweit, dass wir von Gegenwind e. V. in kleiner Besetzung, vor dem Jobcenter Zwickau Werdauer Straße unsere Info-Flyer verteilt haben. Wir konnten uns richtig sicher fühlen, denn der Mitarbeiter der Security hat uns so ca. 2 Stunden nicht aus dem Auge gelassen.

 

Wir hoffen nur, dass er nicht irgendetwas verpasst hat und vielleicht ein Mitarbeiter in Not war und die Hilfe nicht kam. So eine Situation täte uns aufrichtig leid, denn es war nicht unsere Absicht, den Herrn von seinen Aufgaben abzuhalten. Seine Erscheinung am Fenster hatte aber doch auch andere Auswirkungen, denn Kunden die ins Jobcenter gehen mussten, waren dann doch zurückhaltend u. lehnten teilweise das Infomaterial ab.

 

Beim Verlassen dieses Amtes, war dann bei vielen die Courage wieder da und das Info-Material wurde dann mit den Worten „jetzt nehme ich es mit“ von uns verlangt. Heute tut sich die Frage auf, wie weit geht die Angst schon, dass so ein Angestellter einer Fremdfirma, die Betroffenen dazu bringt nicht einmal Information über ihre Rechte mitzunehmen. Die kleine Besetzung waren 2 Mitglieder von uns und zu unserem Erstaunen kamen Betroffene nachdem sie den Termin im Jobcenter hinter sich gebracht hatten auf uns zu und sagten erstaunt „die drinnen sind heute ganz anders“ warum, die Antwort kam meistens fragend von selbst „weil sie hier stehen“?

 

Unter anderen kam auch eine Betroffene die sich im laufenden Bezug befindet, deren Sohn hat Anfang Juni eine Arbeit aufgenommen und da sie eine BG sind, hat man der Mutter gleich mal den Bezug der Leistungen gestrichen. Bei Nachfrage hat sie die lapidare Antwort bekommen, wenn der 1. Lohnbescheid kommt werden die Leistungen neu berechnet, hallo geht es denn noch, einen Monat ohne Geld. Ihre SBin hatte ihr vergangene Woche einen Lebensmittelgutschein übergeben, damit sie etwas hat.

 

In solchen Gesprächen nützt nicht mal mehr Kopfschütteln, also haben wir der Frau erst mal gesagt, dass man aus diesem Grund, nicht einfach die Leistungen einbehalten kann und sie solle eine Barauszahlung fordern. Nach einiger Zeit kam uns eine überglückliche Frau entgegen, die (Sbin) hat mir eine Barauszahlung gegeben, es gab diesmal kein Problem. Einige Betroffene sagten uns erstaunt, ich habe am Serviceschalter eine Kopie von den abgegebenen Unterlagen mit allem was dazu gehört bekommen, das ist nicht immer so, haben die eine neue Anweisung?

 

Fragen muss man sich dann schon, warum ist denn das nicht immer so? Ein ausländischer Mitbürger, der auch die Infos nicht mitnehmen wollte, zeigte auf den Herrn am Fenster u. sagte, „wenn ich zurück komme nehme ich“, als er zurückkam, wieder die Frage „warum sind die alle so nett, sie sagen heute bitte u. danke“, das kannte er nicht und die Infos hat er dann auch genommen. Grund für das 1. Ablehnen war, dass er nicht wusste was der Mann da am Fenster macht, es war eben Angst.

 

Soweit sind wir gekommen, dass schon ein Bodybilder-Typ der sich ans Fenster stellt u. mit Kontrollblick die Lage checkt, die Betroffenen/Kunden des Jobcenter einschüchtert.

 

Jeder der im Leistungsbezug steht hat eine Persönlichkeit und die sollte er auch behalten wenn er dieses Amt betritt. Er oder Sie ist keinen Deut minderwertiger als die, die hinter den Schreitischen sitzen. Jeder hat Rechte u. kann Dinge fordern, keiner soll sich klein machen u. Angst ist hier völlig fehl am Platz! Wer einmal den Mut hatte ein NEIN zu sagen zu irgendwelchen Forderungen die er erfüllen sollte, ist auf den richtigen Weg! Wehren gegen Willkür und Schikanen, wehren gegen Sanktionen, gegen Niedriglohnjobs, das ist angesagt!

 

M. Madaus

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Kommentare: 2

  • #1

    JRS (Samstag, 18 Juni 2011 20:47)

    teure Gebäudebeobachtung.

    Sinnvoll könnte sein ein Hinweis flyer
    --------Wie schreibe ich Gedächnisprotokolle ------
    Von den ~ 8760 Std pro Jahr sind die MitarbeiterInnen ja nur < 1760 im Gebäude.

  • #2

    thom (Freitag, 15 Juli 2011 00:11)

    in der Tat: "teure Gebäudebeobachtung"!
    Und Ja, es hat auch Gründe- schon erlebte Gründe.
    Dennoch stellt sich doch die Frage, die SB sind doch nach Feierabend nicht mehr geschützt- im Sinne eines Strafrichters- der meist konstanten Personenschutz genießt. Es gibt bestimmt auch Menschen die durch Gründe wie zb. psychische Krankheiten solchen Leuten materialistisch entgegenstehen?! Erhält ein SB "Gefahrenzuschlag"?

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