Mi
15
Jun
2011
Hausbesuch
Bekommt man einen Hausbesuch vom Hausarzt, ist dies eine positive Sache und man freut sich auch über diesen Hausbesuch. Bekommt man einen Hausbesuch von einem Vertreter, sieht die Sache anders aus, je nachdem wie die eigene Einstellung dazu ist. In der Regel wollen aber Vertreter einem irgendein Produkt aufdrehen und nicht selten wird man dabei über den Tisch gezogen. Kommt das Jobcenter zum Hausbesuch, sieht die Sache nochmal anders aus.
Am Dienstag bekam ich per Mail einen Hilferuf eines unserer Mitglieder, in der er schilderte, dass vormittags 2 Leute vom Außendienst des Jobcenters bei ihm in der Wohnung waren. Da sie die Kontoauszüge und den Mietvertrag einsehen wollten und Herr Krause (Name geändert) die Unterlagen nicht fand, wollten sie am Mittwoch gegen 10:30 Uhr noch einmal vorbeikommen. Herr Krause bat deshalb für den Mittwoch um Beistand bei dem Hausbesuch, was ich dann übernahm.
Als Grund für den Hausbesuch gaben die beiden Ermittler die anonyme Anzeige gegen Herrn Krause an (wir berichteten, 3. Teil des Artikels). Den Einlass in die Wohnung haben sie sich dann mit einem kleinen psychologischen Trick verschafft. Sie brauchen uns nicht herein lassen, Herr Krause, aber sie haben ja nichts zu verbergen. Da Herr Krause sehr aufgeregt war, wegen des Überfalls und dieses kleinen verbalen Tricks, standen sie nun mal in der Wohnung. Keine Erklärung worum es im konkreten geht und was der Besuch ans Tageslicht fördern soll.
Die beiden Herrschaften schnüffelten in allen Zimmern herum, fragten Herrn Krause aus und schätzten die Quadratmeterzahl jedes einzelnen Zimmers. Er musste auch ein Papier unterschreiben, was er auch tat, aber auf Grund der Aufgeregtheit den Inhalt nicht richtig zur Kenntnis nahm. Es handelte sich aber um einen Computerausdruck, das wusste er noch mit Sicherheit. Auch kündigten sie an, mit dem Vermieter zu sprechen. Als sie den Mietvertrag und die Kontoauszüge zur Einsicht verlangten, musste Herr Krause passen, denn das sind die Aufgaben seiner Frau und er wusste nicht, wo sich die Unterlagen befinden. So bestimmten die beiden Außendienstler einen neuen Termin für den kommenden Tag 10:30 Uhr. Soweit die Schilderungen von Herrn Krause.
Ich saß in dem kleinen Zimmer und Herr Krause ließ die Beiden herein. Noch war alles entspannt und ich wurde mit den Worten, ach sie haben sich Verstärkung geholt, begrüßt. Als ich um die Dienstausweise der beiden bat, antwortete die Frau, dass dies schon gestern geschehen sei und der Herr wollte von mir den Ausweis sehen. Das war beides schon einmal daneben. Weder hatten sie gestern ihre Dienstausweise gezeigt, noch muss ich gegenüber den Jobcenter-Mitarbeitern in einer Privatwohnung meinen Ausweis zeigen. Nun hatten beide blitzartig die Situation erfasst und bereiteten eine neue Strategie vor, indem versucht wurde, den schwarzen Peter gleich zu Anfang an uns zu verteilen. Dies leitete die Frau mit den Worten ein, meinen sie, dass die Gesprächsbasis so losgehen muss, oder können wir normal miteinander sprechen? Sie meinte also, dass das Verlangen der Dienstausweise keine Gesprächsbasis herstellen würde und das ich der Zerstörer selbiger wäre, weil ich die Unverschämtheit besessen habe, ihre Dienstausweise zu verlangen.
Nun war auch klar, in was sich das Gespräch erschöpfen würde. Da eine Verweigerung nun doch nicht durchzusetzen war, legten sie ihre Dienstausweise vor. Ich notierte mir die Daten und gab die Ausweise zurück. Es handelte sich um die Außendienstmitarbeiter Frau Jana Then und Herrn Andreas Strobel. Nun wollten sie Herrn Krause zu den Unterlagen ausfragen. Ich unterbrach und fragte Frau Then, was der genaue Grund ihres Besuches ist und um was es konkret geht. Frau Then lehnte dies ab und verwies darauf, dass sie schon alles mit Herrn Krause gestern besprochen haben. Dennoch fragte ich weiter nach. Herr Strobel wollte dann die Sache ganz anders anfangen. Da er in der Wohnung von Herrn Krause wäre, würde er auch nur mit Herrn Krause sprechen. Frau Then wollte gleich wieder gehen und die Entscheidung nach Aktenlage treffen. Bis jetzt wusste weder Herr Krause noch ich, um was für eine Entscheidung es sich handeln sollte.
Jetzt kam der zweite Versuch, das eventuelle Scheitern mir in die Schuhe zu schieben, als Herr Strobel meinte, dass dies kein Umgangston wäre. Hier kann man nur vermuten, dass er von seiner Behördenerfahrung auf andere schließt. Wahrscheinlicher ist die Annahme, dass die Leute gut geschult werden, aber wenn man die Strategie kennt, kommt sie auch nicht zum Tragen und hat keinen Erfolg. Auf die erneute Anfrage um was es sich bei dem Hausbesuch dreht, wurde die Antwort abermals verweigert und aus der erkannten misslichen Lage heraus bekräftigten beide, dass sie wieder gehen wollten. Vorher forderten wir aber noch, dass Papier zu sehen, dass Herr Krause gestern unterschrieben hatte. Frau Then hatte es angeblich nicht mit, schloss aber blitzschnell ihre Mappe, als Herr Krause darauf zeigte. Wahrscheinlich hatte es gleich obenauf gelegen. Angeblich war es das Gesprächsprotokoll, aber nach Angaben des Herrn Krause war es Maschinen geschrieben, also müsste es vorher erstellt worden sein.
Nach nochmaligem Nachfragen antwortete Frau Then, dass sie das nicht tun würde und das sie jetzt gehen, nicht ohne nochmals auf Gesprächsbedingungen hinzuweisen und Herr Strobel setzte nach, dass sie sich das auch als Außendienstler nicht gefallen lassen müssen. Was werden bloß die vielen ALG II- Empfänger zu solchen Aussagen sagen? Im Gehen wandte sich Frau Then noch einmal an Herr Krause mit den Worten, schade, wir haben uns doch gestern so gut unterhalten, aber so können wir ihnen nicht helfen.
Da fällt mir spontan der Spruch ein: „Hier werden sie so schnell über den Tisch gezogen, dass sie die Reibungswärme als Nestwärme empfinden.“
Übrigens, wer einen silbergrauen BMW mit dem Kennzeichen Z – BF 741 vor seinem Haus parken sieht, der kann mit Besuch rechnen.
A. Pianski
Kommentare: 9
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#1
Hallo möchte mich ganz herzlich für den schnellen Einsatz bei Ihnen bedanken. Es wurde auch sehr schon verfasst weiter so.
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#2
Chapeau! - Gegenwind.
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#3
Frau Krause, bitte mailen sie mich direkt an, ist wichtig.
info@ali-gegenwind.de -
#4
Solidarische Grüße aus Köln! Wir verfolgen den Fall und Euer Engagement mit Genugtuung und großem Interesse!
Eure KEAs -
#5
Schmierige, psychologische Tricks, um den Al. einzuschüchtern und zu dirigieren.
Mir scheint: Dafür geschult, denn ich erlebe Fallmanager mit ähnlichen Taktiken.
Aber keine konkrete und ehrliche Aussage, worum es diesem Außendienst genau ging.
Noch übler: Keine Aushändigung einer Kopie, was der Betroffene unterschrieben hatte.
Ich hätte unter diesen Umständen Keinen in die Whg. gelassen, egal was sie androhen.
Solidarischer Gruß - Vielen Dank für Euren Beistand. -
#6
Das kenn ich nur zu gut. Ich gehöre zwar nicht zu einer der 3 genannten JC,aber die unterscheiden sich ja alle nicht wirklich. Bei mir wollten sie aus dem Stegreif und ohne nachzuschauen detaillierte Infos, wieviel Strom ich bezahle,wieviel Gas, wieviel Wasser. Natürlich konnte ich nur den Gesamtbetrag benennen,keine extakten Zahlen (wer hat die schon im Kopf) ? Im Protokoll wurde das dann dazu,daß ich angeblich weder meine Miete,noch meine Nebenkosten benennen konnte. Meine Chefin (ihre Firma ist im selben Haus wie meine Wohnung)-von mir als Zeugin hinzugerufen- wurde im Protokoll plötzlich zur Besitzerin des Haues und gleichzeitig zu meiner Partnerin. Als Begründung reichte den Außendienstlerinnen,daß sie in meinem Alter ist und ich sogar noch ein benutztes Ehebett besitze (in dem ca 1x pro Woche meine echte Freundin schläft..man hat ja so seine gemeinsamen Hobbies,ne :-D). Natürlich wurde letzerer Fakt "zufällig" im Protokoll vergessen,hätte wohl nicht ins gewünschte Bild gepasst. Aus dem "Indiz",ich würde mit meiner Chefin eine BG bilden,wurde im nachfolgenden Schreiben ein Beweis und im übernächsten Schreiben wurden wir schon praktisch zwangsverheiratet. Nunja, als Nächstes werden sich Anwalt und Sozialrichter damit rumschlagen.
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#7
Eine Kopie, des schon unterschriebenen Gesprächsprotokolls (wenn es denn eines war), darf man jederzeit verlagen. Das wäre in diesem Fall sicher auch noch sehr hilfreich gewesen.
Der Ratgeber (http://www.datenschutz-berlin.de/content/Ver%C3%B6ffentlichungen/Ratgeber/Hartz+IV) ist schon ein wenig älter (Mitte 2009), aber die Erklärung, wie ein Hausbesuch abzulaufen hat, sind nach wie vor gültig.
Vielleicht können Sie diese zwei Seiten in Ihr Infomaterial aufnehmen? Das würde vielleicht für mehr Sicherheit bei den Betroffenen führen ... -
#8
Hallo zusammen,
sehr interessante Seite auf die ich hier gestoßen bin auf der Suche nach "JC Chemnitzer Land & Fr. Liewald"... RESPEKT und gute Arbeit!
Bei mir begann ein massiver Kampf vor ca. 8 Wochen, anfänglich mit abzugebender Stellungnahme aufgrund anonymer Anzeige, über unangemeldeten Hausbesuch bis hin zu den übelsten Unterstellungen im JC HOT von benannter Person. Da ich im Wortsinn "nix zu verbergen habe", lies ich soweit alles gewähren- die Entscheidung steht noch aus- und ich ahne nichts gutes.
Bislang bin ich ein noch recht gehaltener Mensch- was sich aber ab einem bestimmten Punkt schnell ändern kann. Das einzige was mich aufbaut- so doof das auch klingen mag ist, das ich nicht der einzige bin! Bitte verzeiht mir!
Viele Grüße
Thom -
#9
Moin,
verlangt doch ganz offiziell Akteneinsicht. So könnt Ihr nachlesen worum es eigentlich ging. Hier n Cloppenburg läuft die Akteneinsicht so, dass der ALG-II-Empfänger nach Abgabe des Antrages ein Schreiben bekommt, dass wir jederzeit mit einer Anmeldung von 2 bis 3 Tagen die Akten einsehen könnne. Wir melden uns dann an, gehen zu dem Termin hin, und im Schulungsraum liegen dann alle Bände der Akten für uns zur Einsicht. Ausser uns ist kein Mitarbeiter des JC dabei. Von den Seiten, von denen wir Kopien benötigen legen wir Notizzettel rein. Hier stehen dann die Seitennummern drauf, die wir kopiert haben möchten. Sind wir mit der Durchsicht fertig, dann melden wir uns beim Leiter des Hauses "Leistungen" (oder seinem Vertreter ab), und innerhalb einer Woche kommen die Kopien. Alle!!!!!!
Diese Akteneinsicht ist sehr interessant. Mal abgesehen von anonymen Anzeigen, bis hin zur persönlichen Einschätzung der SB über den "Kunden", ist alles einzusehen.
Es ist allerdings sehr zeitraubend. Für 5 bis 7 Bände braucht man vier bis fünf Stunden Zeit, wenn man zu Dritt die Akten durchstöbert.
Hans-Jürgen 
Gegenwind e. V.
Arbeitsloseninitiative
Glauchau-Zwickau-Cloppenburg







