Mo

16

Mai

2011

Volksvertreter

Spätestens seit dem großen Plagiator, der sich mittlerweile in elusterer Runde befindet, wissen wir oder sollten zumindest wissen, was Worte wert sind. Mich hat das Volksschauspiel an einen gewissen Uwe Barschel erinnert, der ja nach dem großen Ehrenwort in der Geschichte gestorben wurde und wie sich das gehört, mit einem späktakulären Auftritt. Danach ist der Vorhang gefallen und die Geschichte hatte ein Ende.

Nun wünscht man ja niemandem den Tod in einer freiheitlich demokratischen Rechtsordnung, auser, ja außer er ist ein Massenmörder, da kann man schon mal in Verzückung geraten, wenn die besten Freunde und Verbündeten ihn über den Haufen schießen. So meinte es jedenfalls eine ehemalige, mit dem christlichen Glauben fest verwurzelte FDJ-Sekretärin, die ins neoliberale Kapitalistenlager gewechselt ist und seither diese freiheitliche und demokratische Rechtsordnung mit Händen und Füßen (ver)tritt. Dem christlichen Glauben ist sie jedenfalls treu geblieben, was von einer gewissen Kontinuität in ihrem Leben spricht. Dies ist auch nicht sehr verwunderlich, wurden nicht über Jahrhunderte im Namen derer, die da im Himmel oder wo weiß ich, wohnen sollen, zum Wohlergehen der Menschheit die grausamsten und bestialischsten Erziehungsmaßnamen durchgeführt wurden.

 

Zurück zum großen Plagiator. Der ist auch tot, zumindest politisch, aber dank seines Geldes und seiner politischen hochrangigen Freunde wird es wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis er ganz demokratisch in diesem Theater die Bühne wieder betritt. Schließlich geht’s auch ohne Doktor und mal ganz ehrlich, wer so bescheißt dass er erwischt wird, ist nicht der Schlaueste und hätte regulär diesen akademischen Titel nie errungen.

 

Und wir, das Wahlvolk meine ich, sähen diesen beliebten Politiker lieber heute als morgen in unserem demokratischen Parlament wieder. Wir würden ihm die kleine Schummelei verzeihen, könnten wir ihn, so adrett aussehend, immer die Etikette wahrend und trotz tiefer Ahnungslosigkeit schöne und passende Worte findend, endlich wiedersehen. Irgendein Aspekt fehlt jetzt. Ach so, ja da war noch was mit regieren. Stimmt, sie sollen ja Deutschland regieren. Da fällt mir aber gerade nichts dazu ein, völlige Denkblokade. Da steht seine ehemalige Kollegin, Doktor Ursula von der Leyen, besser da. 5 Euro mehr für Hartz-IV-Empfänger, Bürgerarbeit, Bildungspaket, alles grandiose Ideen, mit Pauken und Trompeten angekündigt, mit schönen Worten und gestenreich vor jeder Kamera und vor jedem Blitzlichtgewitter als die ultimative Verbesserung dargestellt und dann grandios in den Sand gesetzt. Hier hat diese Minderleisterin wenigstens klar Kante gezeigt, Respekt!

 

Apropos Blitzlichtgewitter. Reinhard Mey hat schon vor vielen Jahren in seinem Song „Die Blitzlichter Machen Uns Zu Idioten“ den Realitätsverlust und die Auswirkungen besungen. Einfach mal im Internet nach dem Text suchen. Was aber bewegt das Wahlvolk und Stimmvieh jedes Mal aufs Neue, diese Minderleister und mit der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit auf Kriegsfuß stehenden Selbstdarsteller zu wählen? Warum schauen wir auf, zu Menschen die sich bestimmte Verhaltensweisen antrainiert haben, die aussehen wie aus dem Ei gepellt, die reich sind, zumindest an bedrucktem Papier, was landläufig als Geld bezeichnet wir? Warum tun wir das?

 

Weil wir Fernsehen konsumieren, weil wir die BILD und andere Machwerke lesen, weil wir Illner, Maischberger und andere adäquate Sendeformate uns angedeihen lassen und weil wir uns unkritisch unsere Meinung machen lassen, von anderen, weil es so schön bequem ist. Ich würde ja an dieser Stelle auch Sendungen der Privaten nennen, aber da ich schon sehr viele Jahre diese Sender von meiner Fernbedienung verbannt habe, bin ich da nicht kompetent, kann mir aber durchaus vorstellen, in welcher Region dort das Niveau liegt.

 

Aussagen müssen einfach sein, auf den ersten Blick logisch erscheinen und ständig wiederholt werden. Dann hat man dem Wahlvolk die Birne weichgeklopft und dann kommen auch so Phänomene zustande, dass man einen Plagiator anhimmelt oder sich zu Millionen vor den Fernseher setzt und in England einer Hochzeit zuschaut, weil es so schön romantisch ist und weil der Prunk der da zur Schau gestellt wird jeden in Entzückung versetzt. Keiner macht sich Gedanken darüber, wo der Reichtum eigentlich herkommt, der uns allenthalben präsentiert wird und mit dem auch ständig angegeben wird.

 

Viele Millionen die ihr Leben lang gearbeitet haben, haben nicht diesen Reichtum erlangt. Im Gegenteil, jetzt haben wir Menschen, die sich regelrecht arm arbeiten. Also, wo kommt der Reichtum her? Er kommt aus den vielen, vielen Taschen derer, die arbeiten und eben nicht reich dabei werden. Von den Minderleistern, die nur ihr bestes wollen, wie sie ja auch nicht müde werden immer wieder öffentlich zu betonen und die ihre Taschen in Wahrheit plündern um den Reichen noch mehr angedeihen zu lassen. Dieses Spielchen geht schon sehr, sehr lange. Kirchliche Prunkbauten, Schlösser von Königen, riesige Besitzungen, Milliarden Vermögen, alles dies haben die Besitzer nicht erarbeitet. Es wurde mehr oder minder gewaltsam dem Volk und den arbeitenden Menschen weggenommen.

 

Heute bewundern wir die Kulturgüter und feiern die ehemaligen Besitzer, Könige, Fürsten und Päpste für ihre großartige Leistung und restaurieren alles mit Millionen Steuergeldern, obwohl immer noch Menschen verhungern. Es ist an der Zeit, ehe sie uns die Gehirne mit ihrer Propaganda so weich geklopft haben, dass sie auslaufen, selbst unser Gehirn zum Denken zu benutzen. Schein und Sein sind zwei paar Stiefel. Diese Minderleister haben Kreide gefressen und täuschen vor, dem Volk zu dienen, in Wirklichkeit dienen sie den Mächtigen mit Vermögen, um dieses Vermögen zu erhalten und zu mehren. Messen wir sie an ihren Taten und nicht an ihren Worten, dann sieht die Bilanz katastrophal aus. Schauen wir nicht nach oben, bewundern wir nicht ihren Glanz, ihren Prunk, ihre wiedernatürliche Etikette, sondern sagen wir ihnen, das sie Betrüger, Lumpen und Halsabschneider sind, die Millionen von Menschen ausnehmen, um selbst im Reichtum zu ertrinken. Fordern wir Demokratie ein und Rechtsstaatlichkeit, eine Rechtsstaatlichkeit die unabhängig vom Geldbeutel und vom gesellschaftlichem Stand ist.

 

Zum Schluss der Text des Liedes, „Das Narrenschiff“ von Reinhard Mey, in dem er schon 1998 einen grandiosen Weitblick bewiesen hat.

 

Das Quecksilber fällt,die Zeichen stehen auf Sturm

Nur blödes Kichern und Keifen vom Kommandoturm

Und ein dumpfes Mahlen grollt aus der Maschine

Und Rollen und Stampfen und schwere See

Die Bordkapelle spielt: Humbatätärä

Und ein irres Lachen dringt aus der Latrine

Die Ladung ist faul, die Papiere fingiert

Die Lenzpumpen leck und die Schotten blockiert

Die Luken weit offen und alle Alarmglocken läuten

Die Seen schlagen mannshoch in den Laderaum

Und Elmsfeuer züngeln vom Ladebaum

Doch keiner an Bord vermag die Zeichen zu deuten

 

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken

Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken

Die Mannschaft, lauter meineidige Halunken

Der Funker zu feig um SOS zu funken

Klabautermann führt das Narrenschiff

Volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff!

 

Am Horizont Wetterleuchten - die Zeichen der Zeit:

Niedertracht und Raffsucht und Eitelkeit

Auf der Brücke tummeln sich Tölpel und Einfallspinsel

Im Trüben fischt der scharfgezahnte Hai

Bringt seinen Fang ins Trockne, an der Steuer vorbei

Auf die Sandbank bei der wohlbekannten Schatzinsel

Die andern Geldwäscher und Zuhälter, die warten schon

Bordellkönig, Spielautomatenbaron

Im hellen Licht, niemand muss sich im Dunklen rumdrücken

In der Bananenrepublik wo selbst der Präsident

Die Scham verloren hat und keine Skrupel kennt

Sich mit dem Steuerdieb im Gefolge zu schmücken

 

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken

Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken

Die Mannschaft, lauter meineidige Halunken

Der Funker zu feig um SOS zu funken

Klabautermann führt das Narrenschiff

Volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff!

 

Man hat sich glattgemacht, man hat sich arrangiert

All die hohen Ideale sind havariert

Und der grosse Rebell, der nicht müd wurde zu Streiten

Mutiert zu einem servilen, giftigen Gnom

Und singt lammfromm vor dem schlimmen alten Mann in Rom

Seine Lieder, fürwahr! Es ändern sich die Zeiten

Einst junge Wilde sind gefügig, fromm und zahm

Gekauft, narkotisiert und flügellahm

Tauschen Samtpfötchen für die einst so scharfen Klauen

Und eitle Greise präsentieren sich keck

Mit immer viel zu jungen Frauen auf dem Oberdeck

Die ihre schlaffen Glieder wärmen und ihnen das Essen vorkauen!

 

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken

Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken

Die Mannschaft, lauter meineidige Halunken

Der Funker zu feig um SOS zu funken

Klabautermann führt das Narrenschiff

Volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff!

 

Sie rüsten gegen den Feind, doch der Feind ist längst hier

er hat die Hand an deiner Gurgel, er steht hinter dir

Im Schutz der Paragraphen mischt er die gezinkten Karten

Jeder kann es sehen, aber alle sehen weg

Und der Dunkelmann kommt aus seinem Versteck

Und dealt unter aller Augen vor dem Kindergarten

Der Ausguck ruft vom höchsten Mast: Endzeit in Sicht!

Doch sie sind wie versteinert und sie hören ihn nicht

Sie ziehen wie Lemminge in willenlosen Horden

Es ist als hätten alle den Verstand verloren

Sich zum Niedergang und zum Verfall verschworen

Und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden

 

Der Steuermann lügt...

lalalalala....

Der Steuermann lügt...

 

A. Pianski

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

  • loading