Do

10

Feb

2011

Beistandsbesuche und die Deaktivierung zukünftiger Bundesarbeitsdienstler

Aktivierungsphase, so wird allgemein die halbjährliche Drangsalierung der Arbeitslosen genannt, die dann wie beim Lotto auf einen sogenannten Bürgerarbeitsplatz hoffen können. Neben der Drangsalierung müssen die Betroffenen nun noch eine Behandlung der Entwürdigung erwachsener Menschen ertragen. Jedenfalls die, die die Maßnahme beim GBFin Glauchau absolvieren.

Da werden Teilnehmer in die Schuhgeschäfte der Stadt Glauchau geschickt um bei den Inhabern nach leeren Schuhkartons zu betteln. Anschließend übt man dann mit diesen Schuhkartons und einem Regal, wie man dieses einräumt und wieder entleert. Es wurde auch Laub gesammelt und wahrscheinlich bei schlechtem Wetter damit und mit Streichhölzern gebastelt.

 

Die Gruppe, die für die Gastronomierichtung demotiviert wurde, bastelte sich aus Papier, in dem sie es sich ausschnitt und bemalte, gesundes Obst und Gemüse, zur Gestaltung einer Wandzeitung. Um den richtigen Einkauf zu erlernen, bummelte man durch den Globus in Zwickau und jeder durfte sich für 1 Euro an der Kasse etwas kaufen. Die Spaziergänge durch Wald und Flur und gemeinsame Sportstunden in denen Tischtennis gespielt wurde waren vielleicht noch etwas besser, als stundenlang Kreuzworträtsel lösen oder nach nicht vorhandenen Stellen suchen.

 

Auch Filme der DEFA, noch in schwarz weiß, haben zur Demotivation beigetragen. Da waren so echte Thriller wie „Die Abenteuer des Werner Holt“ oder „Karbid und Sauerampfer“ dabei. Schulungen in sächsischer Mundart und Deutschunterricht rundeten das Programm noch ab. So entstehen aus faulen unwilligen Arbeitslosen hochmotivierte Spitzenkräfte, die den Arbeitsmarkt von ganz unten aufrollen.

 

Diese Schilderungen bestätigten uns übrigens mehrere gequälte Teilnehmer. Eine Teilnehmerin, die diese Maßnahme erst 2 Monate später begonnen hatte, erhielt eine erneute Einladung, die 2 Monate in einer anderen Einrichtung nachzuholen. Die verständliche Begeisterung kann sicher jeder nachvollziehen, Arbeitszentrumsmitarbeiter einmal ausgeschlossen, zumal sie auch noch ein Kind mit Pflegestufe 3 zu betreuen hat und dadurch nur ein paar Stunden am Tag abkömmlich ist.

 

Angesichts der Einladung versuchte sie Frau Rubey, ihre Vermittlerin, mehrmals zu sprechen. Diese verwies sie wegen fehlenden Termins stets des Zimmers. Deshalb fragte sie bei uns nach Beistand und plötzlich ging es auch ohne Termin und was uns alle überraschte, Frau Rubey stimmte zu, dass die Maßnahme nicht mehr angetreten werden braucht. Hier kann man doch nur sagen, dass es auch so gehen kann.

Ganz anders gelagert ist der Fall einer jungen Frau, U25, die gerne Änderungen in ihrer EinV verhandeln wollte. Sie hatte ihrem Vermittler, Herrn Gronau, schon schriftlich über ihre Änderungswünsche informiert. Da sie schlechte Erfahrungen gemacht hatte bat sie uns um Beistand. Menschen in der Position Arbeitsvermittler oder Teamleiter in der Sonderabteilung U25 sind anscheinend von besonderem Charakter. Diese Erfahrung mussten wir in Hohenstein-Ernstthal bei Frau Goldacker machen und hier in dem Arbeitszentrum Zwickau Stadt hat es sich einmal mehr bestätigt. Die angebliche Verhandlung wurde von Herrn Gronau schon mit einer Provokation begonnen und damit war eigentlich klar, dass hier kein vernünftiges Gespräch und geschweige denn eine Verhandlung auf Augenhöhe stattfinden würde.

 

Gleich zu Anfang hielt er der jungen Frau vor, dass sie doch gefälligst persönlich die Änderungswünsche vortragen solle und sie nicht schriftlich einzureichen hat. Dies würde er nicht akzeptieren. Damit war schon mal klar, dass die junge Frau eine Schuld auf sich geladen hat. Als der Beistand intervenierte und mehrmals nachfragen musste, wegen nicht antwortens, wurde ihm unterstellt, dass er ja nur Ärger wolle. Damit reihte sich dieses Gespräch, wie übrigens viele, in die lange Liste derer ein, wo das Ergebnis von vornherein feststeht. Was in solchen speziellen Gesprächen auffällt, ist das übertriebene Achten auf eine vermeintliche Etikette. Der ständige Gebrauch des Satzes „Reden Sie mir nicht dazwischen“ oder „Lassen Sie mich aussprechen“ ist ein Anzeichen dafür, dass man dieses unnatürliche Verhalten eingeübt hat und eigentlich nur noch als Marionette agiert. Auch Erklärungen werden über Gebühr in die Länge gezogen, so dass die eigentliche Fragestellung unter den Tisch fällt. Auch das einstreuen von solchen Äußerungen wie „Sie wollen doch arbeiten“ oder „Ich nehme an, dass Sie arbeiten wollen“ sind Teil der psychologischen Gesprächsführung und sollen dem Gegenüber vermitteln, dass die Schuld bei ihnen liegt.

 

Der erste und beinahe einzige Punkt, der ansatzweise „verhandelt“ wurde, war die Frage nach den Bewerbungsbemühungen. Die junge Frau war der Meinung, dass wenn sie 3 Bewerbungen im Monat machen muss, dass dann das Arbeitszentrum wenigstens ihr auch 3 geeignete Stellen anbieten sollte. Das lehnte Herr Gronau natürlich ab, da es ja so wenige gibt. Dies erklärte er wieder sehr wortreich. Daraufhin verlangte die junge Frau, dass dann in ihren Teil aufgenommen wird, dass sie sich auch nur auf geeignete und passende Stellen bewirbt und da das ja nach Herrn Gronaus Aussage ja nicht mit einer festen Anzahl in Einklang zu bringen ist, sollen doch die 3 Bewerbungen pro Monat gestrichen werden.

 

Das mit den geeigneten und passenden Bewerbungsbemühungen könne er aufnehmen, die 3 Bewerbungsbemühungen könnte er aber nicht streichen. Jetzt argumentierte er wieder ziemlich lang in die Gegenrichtung. Spontan sind mir die Verhandlungen um den Regelsatz in den Sinn gekommen. Armseliges Kabarett unterster Stufe und das mit vollstem Brustton der Überzeugung. Ein Beistand fragte dann nach, ob es überhaupt Sinn macht zu verhandeln, oder ob man nur angelogen wird und die Sachen überhaupt nicht verhandelbar sind, da sie per Anweisung durchgesetzt werden müssen. Diese Frage musste auch mehrmals gestellt werden, ehe überhaupt eine Reaktion darauf erfolgte. Der sehr wortreiche und redegewandte Herr Gronau verstummte bei der Frage plötzlich, saß halb zusammengesunken in seinem Sessel und guckte den Fragenden mit großen Augen an. In den Momenten zeigt sich dann, dass das Entgegenkommen nur vorgespielt und nichts als heiße Luft ist. Die wahre „Stärke“ der Mitarbeiter liegt im Drohen mit Sanktionen. Darin sind sie unschlagbar, das ist dann aber auch das einzige, was sie beherrschen, die meisten jedenfalls.

 

Das Possenspielchen ging dann noch ein bisschen so weiter, wobei Herr Gronau immer wieder betonte, dass er diese Änderung nicht will. Aber auch eine Nichtbeantwortung einer Frage ist letztlich eine Antwort. Zwischendurch kam auch immer mal wieder Herr Uwe Hofmann, Teamleiter der Spezialabteilung, herein und schaute nach dem Rechten. Zu einer Begrüßung der Anwesenden konnte er sich nicht durchringen, selbst dann nicht, als ein Beistand ein lautes „Guten Tag“ in den Raum warf. Letztendlich kam er seinem Mitarbeiter dann zu Hilfe und gesellte sich zu der elusteren Runde. Er teilte ihm mit, dass er jetzt Schluss machen müsse, weil er bei einer Schulung gebraucht wird. Wir spekulieren mal und vermuten, dass es sich um Gesprächsführung gehandelt hat, mit der Maßgabe, die Leute möglichst ohne dass sie es merken von ihren eigenen Wünschen abzubringen.

 

Ein Beistand fragte Herrn Uwe Hofmann, was wichtiger wäre, der Kunde oder Interna. Herr Uwe Hofmann fertigte den Beistand mit den Worten ab, „Mit Ihnen rede ich nicht“. Nun muss man ja bei der Schreiberei höllisch aufpassen, denn getroffene Hunde bellen und wenn es sein muss winseln sie auch, aber hier könnte glatt der Eindruck entstehen, Herr Uwe Hofmann ist etwas arrogant und behandelt die Leute die ihm nicht passen herablassend. Aber jeder ist ebenso wie er ist und man kann eigentlich darüber hinwegsehen, sie haben`s auch schwer. Nichts desto trotz hat er doch sein Gelübde gebrochen und ein paar Worte an den Beistand gerichtet.

 

Vorausgeschickt muss man sagen, der Beistand stand die ganze Zeit neben dem Schreibtisch und hatte Einblick in den PC. Zum Schluss verlangte die junge Frau, man möge ihre Telefonnummer aus den Daten entfernen. Da der Beistand unmittelbar daneben stand, sagte er, dass er den Vorgang kontrollieren werde. Jetzt plötzlich sprach Herr Uwe Hofmann mit dem Beistand und forderte ihn auf, den Platz zu verlassen. Als er dem nicht gleich nachkam, schließlich wurde mit ihm ja nicht gesprochen, angeblich, klingelte man nach dem Wachschutz. Dem Wachschutz war es sichtlich peinlich und er entschuldigte sich halb bei einem Beistand, weil er ja nichts dafür könne. Alles in allem wieder einmal eine gelungene Vorstellung, die wieder deutlich zeigt, was Ansinnen der Arbeitszentren ist und wie sie es durchsetzen.

 

Zum Schluss noch ein Update.

In dem Beitrag „Betrug durch die Jobcenter des Landkreises Zwickau“ berichteten wir, dass das SG dem Arbeitszentrum im Fall der Warmwasserkosten einen ziemlich deutlichen Hinweis auf die Lage mit ihrer Hinweisverfügung gegeben hat. Darauf ist das Arbeitszentrum überhaupt nicht eingegangen und hat nur zurückgeschrieben, dass sie an ihrer Sichtweise festhalten. Daraufhin hat das SG dem Arbeitszentrum eine zweite Hinweisverfügung mit gleichem Tenor zugesandt.

Hier muss man mal deutlich fragen, wo wir eigentlich hingeraten sind. Eine Behörde macht was sie will und ignoriert gerichtliche Entscheidungen, verschwendet so nebenbei jede Menge Steuergelder (Sind nicht Steuergeldbezieher und Verschwender Sozialschmarotzer?) in Form von Gerichtskosten, hinterzieht damit Sozialgeld, weil die Betroffenen nicht bekommen was ihnen zusteht und die Gerichte senden eine Hinweisverfügung nach der anderen, anstatt diesen Gesetzesbrechern einmal ordentlich die Marschrichtung vorzugeben.

 

A. Pianski

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Kommentare: 5

  • #1

    M. Madaus (Freitag, 11 Februar 2011 13:23)

    Zum Beitrag mein Kommentar als Mitanwesende und Beistand 2

    Da schon eine EGV vorhanden war, die so von der jungen Frau nicht akzeptiert wurde hatte sie natürlich auch keine Unterschrift gegeben. Bei dem Termin der gestern stattfand, sollte die junge Frau ihre eigenen Ideen zu Papier bringen und dem Vermittler Herrn Gronau vorlegen, damit vielleicht etwas davon in die Eingliederungsvereinbarung aufgenommen werden kann.
    Hier legen ich/wir großen Wert auf Vereinbarung, die ja heißt, wir treffen uns auf Augenhöhe und finden einen Konsens mit dem beide Partner leben können. Dass, das nicht so geht ist ja wie im Beitrag beschrieben nicht möglich, der Vermittler Herr Gronau, konnte, wollte oder durfte nicht. Das Gespräch wurde ca. 3x vom Teamleiter der U25 (unter 25 jährige) unterbrochen.
    Als er sich dann in Persona dazu stellte um vielleicht seinen Untergebenen zu unterstützen oder wie auch immer, lief die Sache aus dem Ruder. Ich glaube mich zu erinnern, er wollte Herrn Gronau zur Schulung zitieren, dass mitten in einem Kundengespräch.
    Meine Meinung zum Erscheinen des Herrn Uwe Hofmann/Teamleiter kann ich nur so zum Ausdruck bringen, dass er als Stressfaktor in das Gespräch einwirkte und er es nur durch sein mit im Zimmer befinden, unmöglich machte zum Abschluss der EGV zu kommen.
    Da als Krönung des Ganzen Herr Hofmann, den Befehl erteilte Herr Gronau solle den Security-Mitarbeiter rufen, damit wir aus dem Zimmer entfernt werden, ist meine Meinung nicht wir hätten das Zimmer verlassen sollen, sondern Herr Hofmann!
    Er hat durch seine Ignoranz eines Beistandes und durch seine wieder negativ auffallende Arroganz gegenüber Kunden und Beiständen, sein Manko im Umgang mit Menschen gezeigt. Ich persönlich werde mich nicht noch einmal durch einen Security-Mitarbeiter aus einem Gespräch entfernen lassen, dass in einem für mich, vernünftigen Ton geführt wurde und auch so zu einem Ende ohne VA geführt hätte. Wie auch immer, Teamleiter Hofmann werde ich jetzt meine besondere Aufmerksamkeit schenken, denn sein Verhalten war für mich Nötigung.

  • #2

    Harald Gatermann (Freitag, 11 Februar 2011 13:59)

    Danke. Zum xten mal wieder stark gegrinst bei der Lektüre Deiner/Eurer Artikel.
    (Es kommt ja selten vor, daß man etwas zu lachen hat als "Transferempfänger")
    Ich habe auch diesen auf s.o. veröffentlicht und wollte diese Gelegenheit benutzen dies mitzuteilen

  • #3

    Hans-Jürgen Reglitzki (Freitag, 11 Februar 2011 16:06)

    Hallo,

    warum wird denn dann keine Anzeige wegen Nötigung gestellt???

    Wenn Du, Moni, und Andreas dabei waren, plus die "Hilfesuchende", die ja arbeitswillig war, aber nicht in einer dieser "Sinnlosmassnahmen" verkümmern wollte, dann besteht doch die Chance die Anzeige durchzuboxen.
    Ich kennen Herrn Hofmann auch noch aus meiner Zwickauer Zeit. So wie er beschrieben wurde, so ist er auch. Ich habe und hatte in meinem Leben mit sehr vielen, aber auch sehr unterschiedlichen Menschen zu tun, aber diese Aura von Arroganz, die Herrn Hofmann umgibt, strahlt schon etliche Meter vor ihm aus.
    So wie er ist, so stellt sich unser kleiner Tsnunami (Westerwelle)die "Mitarbeiter" eines Jobcenterns vor, damit diese "spätrömische Dekadenz" ein Ende findet. Die Wiederein-gliederung in den ersten Arbeitsmarkt wird, wenn Herr Hofmann bei dem Gespräch anwesend ist, immer voll in die Hose gehen.

    Ich gönne keinem Menschen etwas Schlechtes, aber er soll wirklich mal für 2 Jahre ALG II beziehen. Mal sehen wohin ihn seine gelebte Arroganz dann führt.
    Warum hängt er sich nicht ein Schild um auf dem steht:

    Eure Armut kotzt mich an!!!

  • #4

    Jens (Montag, 14 Februar 2011 13:15)

    Mann ist das übel.Es zeigt die hilflosigkeit eines sterbenden Systems.
    So viel Sinnlosigkeit hat es nichtmal in der DDR gegeben.
    Es sind diese Sinnlosmaßnahmen welche diese Sinnlos-Bildungseinrichtungen über Wasser halten.Es wird höchste Zeit diesen Sumpf auszutrocknen.

  • #5

    Gabriele Schmidt (Freitag, 18 März 2011 11:01)

    Update zur Verhandlung mit Herrn Gronau:

    In der darauffolgenden Woche stand erneut ein Termin an. Natürlich ging die o. g. junge Frau wieder nur mit Begleitung hin - dafür nochmals vielen Dank!

    Und - oh Wunder - diesmal wurde ein 1,50-Job angeboten in Verbindung mit dem Erwerb des Führerscheins! Entweder war die junge Frau diesmal zur richtigen Zeit am richtigen Ort oder Herr Gronau hat mal richtig nachgedacht (bezweifle ich aber).

    Die EGV kam per Verwaltungsakt - und wieder ein Wunder, so ziemlich alles, was die Kundin vom Jobcenter gefordert hat, steht drin! Nur ihre Anzahl an Bewerbungen konnte (wollte) offenbar nicht geändert werden.

    Also, es lohnt sich, sich zu wehren.

    Nochmals vielen Dank.

    G. Schmidt

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