Fr

20

Aug

2010

Aktivierung – Ja für was eigentlich?

Heute bekam ich eine Mail von einer Hilfeempfängerin, die den Artikel „Bundesarbeitsdienst – Das Karussell dreht sich“ gelesen hatte und mir ihre eigenen Erfahrungen mitteilen wollte. Es ist schön, wenn Betroffene ihre Erfahrungen mit einem kleinen Bericht zu uns schicken. Es kann für andere sehr hilfreich sein, wenn sie sehen, dass man mit etwas Mut und Selbstvertrauen sich nicht zu jedem Mist zwingen lassen muss.

Deshalb sei hier noch einmal dazu aufgerufen, schicken sie uns ihre Berichte, lassen sie andere von ihren Erfahrungen profitieren. Entlarven sie die Machenschaften der ARGEn. Sie tragen auch dazu bei, dass die Geschäftsführer dann nicht mehr von bedauerlichen Einzelfällen sprechen können, sondern es wird dokumentiert, dass dieser Wahnsinn Methode hat. Sie bleiben auf Wunsch natürlich anonym.

 

Dieser Tatsachenbericht zeigt noch einmal ganz deutlich, dass mit Erpressung und Schikane gearbeitet wird und dass der Hilfebedürftige dabei keine Rolle spielt. Ja zum Teil sind die Handlanger der asozialen Politik skrupellos und rücksichtslos gegen die Unterschicht. Noch wird von Unterschicht gesprochen, aber es wird nicht mehr lange dauern, bis das Wort Untermenschen zum täglichen Gebrauch gehören wird. Die Politik lässt keine Gelegenheit aus, um ALG II–Empfänger zu diffamieren und zu verunglimpfen. Denn was anderes als Hetze und Diffamierung ist es nicht, wenn für Kinder von ALG II–Empfängern Gutscheine ausgegeben werden sollen, anstatt man den Regelsatz auf ein auskömmliches Maß erhöht. Hier wird das Vorurteil fleißig weitergeschürt, dass ALG II–Empfänger das Geld ihrer Kinder versaufen und verqualmen und somit asozial sind.

 

Da muss man sich dann wirklich fragen, warum das Kindergeld für Besserverdienende nicht auch in Gutscheinen ausgezahlt wird. Rauchende und saufende Akademiker gibt es genug, ja es soll diese Spezies sogar unter Politikern geben. Aber dieser asozialen Lumpenelite hilft es wieder einmal eine Gruppe in das gewollte Licht zu rücken und Millionen von Menschen glauben ganz unreflektiert diesen Blödsinn. Dabei ist die Sache ganz einfach: Arme Eltern, arme Kinder.

 

Doch zurück zu den Sinnlosmaßnahmen. Lesen sie selbst, wie ALG II-Empfänger fertiggemacht werden sollen.

 

Hallo Herr Pianski,

 

soeben habe ich Ihren sehr interessanten Bericht über die Infoveranstaltung in Glauchau gelesen.

Auch wir waren zu so einer "Infoveranstaltung" eingeladen. Ich war im BAW in Wilkau, mein Lebensgefährte im ehemaligen STZ in der Audistraße. Bei meinem Lebensgefährten lief es ganz friedlich ab. Er erklärte dort, dass er einen Nebenjob hat und dies nicht für ihn in Frage kommt. Er sollte seinen Vermittler anrufen, was er auch tat. Dieser war zu unserer Verwunderung sehr entgegenkommend und sagte: "Nun, es war ja nur ein Versuch. Das hat sich dann für Sie erledigt."

 

Bei mir hingegen lief es ab wie in einem falschen Film. Herr F., Mitarbeiter der ARGE Zwickau-Stadt sagte wörtlich: "Durch diese Maßnahme kommen Sie in Arbeit!" Es liegt natürlich an uns selbst, wie wir mitarbeiten und uns geben! Der gute Herr F. merkte nach diesen wenigen Worten, wie sich allgemeines Murren im Raum breit machte. Darauf stellte er die Frage: "Fühlt sich hier jemand fehl am Platz?" Ich meldete mich sofort und einige wenige auch. Er schaute sehr erschrocken und meinte: "Na aber nicht alle!". Er schickte uns dann vor die Tür und meinte, er komme gleich nach um das mit uns zu klären. Noch während wir im Hinausgehen waren setzte er noch eins drauf und sagte: "Naja, wer nicht jeden Früh um 6.00 Uhr aufstehen will, der soll eben raus gehen!" So viel Arroganz habe ich lange nicht erlebt, und dementsprechend war ich geladen.

 

Nun kam Herr F. vor die Tür und nahm sich jeden von uns vor. Eine junge Frau war so aufgeregt, dass sie weinte und am ganzen Körper zitterte. Ich habe natürlich versucht sie zu beruhigen und ihr gesagt, dass ihr gar nichts passieren kann. Ich erzählte ihr die Geschichte vom BFZ und wie ich mit Ihrer Hilfe dort rausgekommen bin. Sie wurde dann von diesem Herrn F. ins Gebet genommen, sie solle sich das gut überlegen und so weiter.....

Sie sollte sich dann mit ihrem Bearbeiter in Verbindung setzen. Leider kann ich nicht sagen, wie es bei ihr ausgegangen ist.

Ich habe ihr auf jeden Fall gesagt, dass sie sich gern an Ihren Verein wenden kann, einigen anderen habe ich das auch gesagt. Aber man hat so den Eindruck, viele haben sich aufgegeben, setzen sich in diese sinnlosen Maßnahmen, weil sie Angst haben.

 

Ein junger Mann machte sich dort richtig Luft. Er schrie diesen Herrn F. an, und fragte was die Damen und Herren in der ARGE die letzten Jahre für die Arbeitslosen getan haben. Er wolle Arbeit und keine sinnlosen Maßnahmen. Es ging ein ganzes Stück hin und her, bis Herr F. ihn vom Platz schickte. Aber dieser Auftritt hat mich sehr beeindruckt und ich dachte mir, wenn es nur mehr von diesen Leuten geben würde!

 

 

Nun war ich an der Reihe! Und ich muss sagen, durch Ihre damalige Hilfe bin ich so selbstbewusst geworden, dass ich weder Angst noch sonst was habe. Ich habe vor einigen dieser Mitarbeiter nicht einmal mehr Respekt, obwohl ich anders erzogen wurde. Wohlgemerkt, nicht alle Mitarbeiter sind so arrogant und unhöflich.

 

Ich habe so etwas noch nicht erlebt, obwohl ich auch ARGE-erprobt bin. Er erzählte mir, dass dies eine einmalige Chance ist... und so weiter, das übliche Gerede! Mehr kann ich dazu nicht sagen.

 

Nun legte ich los! Er sagte, ich solle ihm zuhören. Daraufhin erwiderte ich in noch lauterem Tonfall: "Nein, jetzt hören Sie mir zu!" Es kamen aus den umliegenden Gebäuden bereits die ersten Schaulustigen. Ich fragte ihn, wie er das gemeint hat, mit dem um 6.00 Uhr aufstehen. Ob er denn denkt, dass alle Arbeitslosen bis Mittag im Bett liegen. Keine Antwort. Ich sagte auch, dass ich es sehr anmaßend von ihm finde, wie er sich vor die Menschen stellt. Und ich sagte ihm: „Vielleicht kommen Sie ja auch mal in unsere Lage". Daraufhin antwortete er mir, dass er auch schon Hartz 4 bezogen hat, und er wüsste wie das ist. Ich meinte zu ihm: "Umso schlimmer finde ich Ihr Benehmen gegenüber den Arbeitslosen!"

 

Ich habe ihm erklärt, dass ich bereits schon einmal beim Anwalt war und ich könne das gern wiederholen. Da wurde er etwas kleinlauter. Dennoch musste er mir noch sagen, dass er eine neue EGV für uns alle hat. Ich sollte doch diese unterschreiben, was ich natürlich ablehnte. Da stand doch tatsächlich drin, dass ich ab sofort 10! (bisher 2) Bewerbungen im Monat bringen soll. Ich fragte ihn, ob er mich verar..... (Entschuldigung) will. Wo um Himmels willen soll ich insgesamt 60 Bewerbungen hinschicken?

 

Ich ließ ihn dann stehen, und ging. Ich hätte mich sonst vergessen!

 

Am nächsten Tag ging ich zu meinem Bearbeiter und erzählte diese Geschichte. Nun, er konnte nichts dazu sagen, war ja nicht dabei.

Aber ich solle mir keine Sorgen machen, diese Maßnahme hat sich für mich erledigt.

 

Ich habe dennoch einen Brief an die Geschäftsführung geschrieben und mich über das Benehmen des Herrn F. beschwert. Nun warte ich auf Antwort.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

XXXXXXX XXXXXXXXXXX

 

 

A. Pianski

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Kommentare: 2

  • #1

    Hans-Jürgen Reglitzki (Sonntag, 22 August 2010 19:21)

    Na, das ist mal wieder die alte Leier in der ARGE Zwickau-Stadt. Menschen werden eingeschüchtert und genötigt eine Eingliederungsvereinbarung zu unterschreiben, die sie jetzt noch gar nicht abschätzen können. Vielleicht kann sich die Frau, die sich so tapfer gewehrt hat, doch noch die geplante EGV besorgen, oder von einem der anderen Teilnehmer. Wäre interessant zu wissen, welche Rechtsbrüche da noch drin stehen.
    Da ich nun hier in Cloppenburg bin, wurde mir eine EGV eines neuen Mitgliedes von Gegenwind e.V. ausgehändigt, die fogendes beinhaltet - wenn sie die Maßnahme (Bürgerarbeit die ersten 6 Monate)egal aus welchem Grunde auch immer nicht bis zum Ende durchhält (auch Krankheit zählt zu den Gründen), dann muss sie, als Teilnehmerin, Schadenersatz leisten.
    Toll, was sich die ARGEN so alles ausdenken, um die Langzeitarbeitslosen zu unterdrücken und zu erpressen!!!
    Leider war sie nicht zu überreden mit diesem "Vertrag" zu einem Anwalt zu gehen, oder auch selbst (mit Hilfe von uns) eine Anzeige wegen Nötigung und Erpressung, sowie Amtsmissbrauch, einzureichen.
    So haben wir lediglich, weil sie zur Unterschrift genötigt wurde, die Unterschrift schriftlich zurückgezogen.
    Ich bin mir ziemlich sicher, der Tanz geht erst los!!!

    Hans-jürgen Reglitzki

  • #2

    Jens (Sonntag, 23 Januar 2011 05:32)

    Ich bin gespannt wann die endlich mal an den richtigen kommen,der denen mal eine "Durchreicht"

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