Do

10

Jun

2010

Armutsangst ...WDR 5 Thementag

Quelle: Eifelphilosoph

 

Manchmal ist es einfach, einen Artikel zu schreiben, weil ... andere es eigentlich schon für einen gemacht haben. Wer heute das Glück hat im Sendebereich von WDR 5 zu wohnen (das sind dann die Nordrhein-Westfalen, die ihren abgewählten Landesvater immer noch am Hals haben, weil das Parlament lieber Zickentheater macht als Politik), der darf alles Aspekte der Agenda 2010 für das arme Volk begutachten.

"Das arme Volk" ist kurzum jeder, der kein Hotel hat. Oder eine Bank. Oder sonst ein Unternehmen, das der Opa im Dritten Reich von reichen Juden erbeutet hat und aus Gründen, die mir persönlich nicht ganz klar sind, bis heute behalten durfte.

 

Für die ohne Hotel (der BOH: Bürger ohne Hotel ... wird wohl bald ein Fachbegriff werden, denke ich) sieht es düster aus - und erst recht für ihre Kinder, die gar nichts mehr zum Erben haben:

 

http://www.wdr5.de/wdr-5-startseite/thementag-armut.html

 

Die heimliche Angst der Mittelschicht

Die Mittelschicht schrumpft, die Gefahr des sozialen Abstiegs wächst. Die Angst vor der Armut geht um. Längst ist sie in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Denn in Zeiten von Hartz IV, globalen Finanzkrisen und einer wachsenden Staatsverschuldung wird die Schere zwischen Arm und Reich immer größer. Und während Politiker darüber streiten, wie viel Steuersenkung, wie viel Sozialstaat in diesen Zeiten noch sein kann und sein darf, kommen die Einschüsse für den Mittelstand spürbar näher. Selbst große Konzerne treibt es in die Insolvenz, Lebensstellungen gibt es kaum noch, Arbeitslosigkeit droht überall, das Gesundheitssystem krankt, die Rente ist längst nicht mehr sicher – und was auf die nachfolgenden Generationen zukommt, kann keiner sagen.


Selbst große Krankenkassen die die DAK, ausgesaugt von Pharmamafia und Ärztegier (30% Gehaltszuwachs im Krisenjahr 2009 - alles frisch vom Sozialbudget abgezogen, weshalb man Arbeitslosen jetzt auch noch die Rentenbeiträge gestrichen hat) kommen ins Straucheln ... ein Ausblick auf die nächste Krise, die uns erwartet: die Vernichtung der Krankenkassen, was für uns heißt: ärztliche Leistungen nur noch gegen Bargeld. Viel Bargeld.

 

Immer mehr Menschen, die gestern noch zur Mittelschicht zählten, finden sich heute dort wieder, wo immer die anderen waren: am unteren Rand. Eine gute Ausbildung scheint keine Garantie mehr für ein gutes Einkommen - und plötzlich fehlt das Geld für das, was früher selbstverständlich war.

 

http://www.wdr5.de/sendungen/morgenecho/s/d/10.06.2010-06.05/b/ausgebremst-und-abgehaengt.html

 

Das „Morgenecho“ begleitet eine Familie, die gegen diesen Abstieg kämpft und versucht, sich trotz der Zukunftsangst ein Stück Normalität zu bewahren. Aber wie kann das gelingen, wenn für Zoobesuche und den Sportverein plötzlich kein Geld mehr da ist? Wenn der Familienurlaub nicht mehr drin ist und auch die Wohnung zu teuer wird? Droht mit dem finanziellen Abstieg auch zwangsläufig der Ausstieg aus dem sozialen Umfeld? Außerdem fragen wir im Interview nach Ursachen und Folgen der schrumpfenden Mittelschicht: Wer wird für den sozialen Zusammenhalt sorgen? Ist mit einer Repolitisierung der Gesellschaft zu rechnen? Oder wird uns das Schicksal unserer Mitmenschen vor dem Hintergrund existentieller Ängste zunehmend gleichgültig?


Das ist der wirkliche Sport des kleinen Mannes geworden: so zu tun, als sei noch alles in Ordnung. Dabei müßte das rote Fähnchen anstatt das Deutschlandfähnchen aus dem Auto hängen, anstatt Fußball gucken wäre Maobibel angesagt ... immerhin macht China alles besser als wir und ist der Motor der Welt geworden. Nur kann man nicht ewig so tun, als sei noch alles in Ordnung. Selbst ich muß nur vor die Tür gehen und sehe, das da irgendwas nicht in Ordnung ist. Wohnungen stehen leer, Häuser werden unverkäuflich, traumhafte Grundstücke wandern nur noch von Makler zu Makler - jenseits der offiziellen Nachrichten hat die Krise längst den Alltag erreicht. Nur für die Kanzlerin ist sie mal wieder vorbei, weil sie und ihre Minister jetzt mal auf eine Gehaltserhöhung verzichtet haben, wo eine Kürzung ein positives Signal gewesen wäre.

 

http://www.wdr5.de/sendungen/funkhausgespraeche/s/d/10.06.2010-20.05/b/was-die-reichen-uebrig-lassen.html

 

Bis zu einer Million Menschen täglich werden in Deutschland von Lebensmitteltafeln versorgt. Bedingung ist dort in der Regel, dass man seinen Hartz IV-Bescheid vorzeigen muss. Inzwischen gibt es in Deutschland eine dichte Infrastruktur zur Versorgung von Bedürftigen auf ehrenamtlicher Basis: Nicht nur Lebensmitteltafeln, sondern auch Kleiderkammern und Sozialkaufhäuser. Wird hier Nothilfe in außergewöhnlichen Lebenssituationen geleistet? Oder ersetzt privates Engagement berechtigte Ansprüche an den Staat?


Das Ärgerliche ist: weder noch. Hier entsorgen nur Firmen kostenlos ihre Abfälle, für deren Beseitigung sie sonst teuer bezahlen müssten. Und andere polieren ihr Ego auf. Hier wird nur auf demütigende Art und Weise vergammelte Nahrung entsorgt - auf Kosten der Gesundheit der Armen. Das ist die brutale Wirklichkeit hinter den "Tafeln", die nur leider ... ungern gesehen wird. Schade, das das jetzt nicht zur Sprache kommen wird, obwohl es genügend Informationen dazu gäbe (wir berichteten).

 

Sinnvoll ist meiner Meinung nach, mal darauf hinzuweisen, das wir Nutzvieh sind. Nutzvieh, das sich begeistert melken läßt, wenn man nur Fußball überträgt. Gut, das ... läßt sich ja machen. Dann lesen die auch nicht soviel und ersparen sich unangenehme Wahrheiten:

 

http://www.wdr5.de/sendungen/profit/s/d/10.06.2010-18.05/b/die-mittelschicht.html

 

Die Steuer- und Abgabenlast der deutschen Haushalte liegt laut Bund der Steuerzahler über dem Durchschnitt aller OECD-Länder. Vor allem die Mittelschicht wird zur Kasse gebeten. „Die Mitte wird von der hohen Steuer- und Abgabenbelastung erdrückt“, so der Bund der Steuerzahler - mit erheblichen wirtschaftlichen und sozialen Folgen.


Zahlen für die Spendierhose der Politik: immer wieder gerne. Der Verein zur Rettung notleidender Superreicher nimmt Spenden ohne Quittung jederzeit gerne entgegen - egal wie und woher.

Dankenswerterweie unternimmt WDR 5 auch wieder einen Ausflug in die Zukunft:

 

http://www.wdr5.de/sendungen/politikum/s/d/10.06.2010-19.05/b/armut.html

 

Die Mittelschicht als politische Klasse - oder: Ohne die breite Masse keine Moderne...? "Politikum" möchte wissen, was passierte, wenn unsere Mittelschicht weg bricht, weil ein großer Teil verarmt und ein deutlich kleinerer Teil es schafft, in die Klasse der Reichen aufzusteigen. Was bedeutete dies für die demokratische Entwicklung? Wäre noch Pluralität gegeben? Oder doch nur noch eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in Bundestag und Regierung repräsentiert? Wäre dies ein Rückfall in vor-moderne Zeiten - oder gar eine Erleichterung für die Entscheidungsfindungsprozesse, die für die Zukunft Deutschlands wichtig sind...?


Und hier ... wird es ganz ganz kriminell, je geradezu verfassungsfeindlich. Aber wir sind inzwischen soweit, das es niemanden mehr interessiert - noch merkt es jemand.

 

Alleine darüber nachzudenken, das die Monarchie oder Diktatur eine "Erleichterung für Entscheidungsprozesse" darstellt, zeigt, das man schon lange nicht mehr mit beiden Beinen fest auf dem Boden des Grundgesetzes steht, sondern insgeheim schon eine andere Republik für ... wünschenswert hält.

Vielleicht Zeit, mal wieder an das Grundgesetz zu erinnern:

 

http://www.bundestag.de/dokumente/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg_02.html

 

Artikel 20


(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.


(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.


(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.


(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.


Auf Deutsch: murkst ruhig an eurer Elitendiktatur herum ... wir dürfen dann aber auch schießen. Sowas soll im Übrigen ungemein befreiend sein, habe ich mal gehört.

 

Kurz und gut ... ich bin enttäuscht vom Thementag auf WDR 5. Ich hätte gerne mehr erfahren über die gezielte Vernichtung und Eliminierung des BOH in Deutschland, hätte gerne mehr erfahren darüber, warum diese Armut per Gesetz beschlossen wurde, die Einsparungen aber nicht zur Reduzierung der Schulden verwendet wurden, hätte gerne gehabt, das breitere Schichten über das Konzept hinter der "Tafel" informiert werden, das Arbeitslose als Abfalltonne auf zwei Beinen ansieht.

 

Und ich hätte gerne mehr darüber erfahren, wie man das alles mit diesen Gesetzen in Zusammenhang bringt:

 

http://www.bundestag.de/dokumente/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg_01.html

 

Artikel 1


(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.


(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.


Dann hätte ich gerne gewußt, wann denn die staatliche Gewalt zum Schutz der entrechteten und entwürdigten
menschlichen Ausschußware eingesetzt wird ... oder ab wann ich selber diese Gewalt sein muß, um Demokratie, Menschenrechte und normalen menschlichen Anstand in Deutschland zu retten.

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Kommentare: 1

  • #1

    Hans-Jürgen Reglitzki (Freitag, 11 Juni 2010 19:26)

    Sehr gut und treffender Artikel von Eifelphilosoph.
    Bleibt nur noch die Frage was machen wir ALLE. Also, ALLE die, die nicht zu den Ausbeutern, Sklaventreibern und Sklavenhändlern (Regierungsparteien)gehören.
    Aufruf zum Generalstreik, oder zur Revolution? Weil, das, was die Regierungsparteien abliefern, schreit nach Aufruhr und Gegenwehr. So wie jetzt kann es nicht weiter gehen!!!!
    Und wer weiss - vielleicht kommt im Herbst, wenn die Regel-
    sätze "transparenter" (lt. dem Urteil vom Bundesverfassungs-gericht) dargestellt werden sollen, ein noch grösserer Schock für alle Hartz-IV-Empfänger. Nach wie vor kann es sein, dass die Regelsätze (zumindest für Erwachsene)zusätzlich zu den Sparplänen auch noch gesenkt werden.
    Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber hoffentlich ist dann der Punkt erreicht, an dem der "Deutsche Michel" sich endlich aufrafft, um sich nach allen Regeln der Kunst gegen die Machenschaften unserer Regierungspolitiker und Hetzer zur wehr setzt.

    Hans-Jürgen

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