Sa

29

Mai

2010

Wochenbericht 21. Kalenderwoche

Diese Woche begann mit der Begleitung einer Frau zur ARGE Zwickau Stadt, Grund war ein geplanter Umzug. Nach einigen Terminen in der ARGE, die den Wunsch nach Umzug von Werdau nach Zwickau betrafen und zu keinem Ergebnis geführt hatten, bat uns die Frau um Hilfe. Der Grund des Umzuges war u. ist, dass das Wohnumfeld gewechselt werden muss und auf 2 psychisch kranke Kinder Rücksicht zu nehmen ist.

Aufgrund der Kinder die nicht in einem Zimmer unterkommen dürfen werden 2 Kinderzimmer gebraucht. Die Umzugsgenehmigung hatte die ARGE erteilt, eine passende Wohnung war gefunden, in der Nähe alles was für die Kinder wichtig ist, von der Schule bis hin zu den Therapieplätzen die unbedingt gebraucht werden. Die Wohnung hat nur den kleinen Makel, sie hat einen Balkon und der macht das Ganze 4m² zu groß, also kein ok von der ARGE, denn nun waren auch die Betriebskosten etwas zu hoch. Das ist die kurze Vorgeschichte, kommen wir zum Termin bei der Fallmanagerin, die uns klipp und klar sagte, die Wohnung kann aus den obengenannten Gründen nicht genehmigt werden, sie ist zu teuer.

 

Es war für die Frau, die selbst krank ist und das mit ärztlichen Gutachten belegt hat ein Schock. Die Fallmanagerin begründete ihre Entscheidung damit, dass sie vor ihrem Vorgesetzten eine Entscheidung zu Gunsten der Frau nicht verantworten könne. Ist da nicht auch die Angst um den Arbeitsplatz dabei, denn wenn Mitarbeiter nicht so richtig spuren und zu sozial entscheiden, haben sie auch keinen festen Stand. Hier soll aber nun nicht unbedingt Mitleid für Mitarbeiter aufkommen, das Klima in den ARGEn ist für eine Sozialbehörde schlecht genug und die Leidtragenden sind immer die Leistungsbezieher. Das Gespräch mit der Fallmanagerin, nahm nach einigen von uns vorgebrachten Argumenten eine Wende, sie nahm sich nochmals die ärztlichen Unterlagen vor und kam mit einem Mal zur Entscheidung, aufgrund dieser Unterlagen könne sie nun doch zustimmen und das auch vor ihrem Vorgesetzten verantworten. Was auch immer zu dem Wandel in der Entscheidung geführt hat, für uns und vor allem für die Frau war der Ausgang nun mehr als positiv, es war eine Entscheidung für den Leistungsbezieher und das war gut so.

 

Am gleichen Tag hatte noch eine Leistungsbezieherin um Begleitung zu einer Infoveranstaltung bei der es um die Maßnahme Aktion 50Plus ging gebeten. Maßnahmeträger dieser ganzen Aktion die Firma Pscherer aus irgendwo in Niederbayern mir Sitz in Plauen und jetzt auch mit Geschäftsstelle in Glauchau.

Es waren so ca. 30 Personen 50Plus geladen und die Veranstaltung begann mit einer Vorstellung des Maßnahmeträgers, oh war der Mann gut, geredet hat er ohne Pause und Luft zu holen. Er kann bestimmt aus dem Tiefschlaf geweckt werden u. der Redeschwall geht bis zum Ende durch. Die 50ziger sind das Potential für den Arbeitsmarkt, das aktiviert und fit gemacht werden muss, wo mit einem Superprofiling oder Aushorchen aller Daten die Marktfähigkeit festgestellt werden soll. Die Firma Pscherer hat schon jede Menge 50ziger auf den 1. Arbeitsmarkt vermittelt, die Zahl haben wir uns nicht gemerkt, denn was heißt vermittelt? In Arbeit ohne ARGE-Abhängigkeit bestimmt nicht, denn das ist nicht das Ziel. Hier werden Leistungsbezieher so kann man es vermuten, nur zeitlich begrenzt zum Einsatz kommen zu einem Niedriglohn und dann war’s das.

 

Alles Gerede um Coaching und Austesten in wie weit der potenzielle Arbeitnehmer noch Leistungsfähig ist, alles nur schönes Gerede. Immerhin wurde auf Nachfrage gesagt, die Maßnahme ist freiwillig und es gibt bei Ablehnung keine Sanktionen. Es ist aber erstaunlich wie gehorsam unsere 50Plus Menschen sind, so gut wie keine Fragen an den Herren des Maßnahmeträgers und die Dame von der ARGE, die 5-6 die sofort nein gesagt haben sind die, die sich vor Beginn kundig gemacht haben.

 

Hier ein Zitat aus dem Sozialforum:

Mit dem Programm 50plus versucht die Bundesregierung dem Problem der älteren Langzeitarbeitslosen »Herr« zu werden. Eine gute Gelegenheit für Bildungs- und Beschäftigungsträger und Sozialverbände ihre Kassen aufzufüllen. Das Geschäft mit Arbeitslosen war schon immer lohnend. Doch lohnt sich dies auch für Erwerbslose?

 

Wer glaubt es lohnt sich, dem kann nicht geholfen werden, lohnen tut es sich für alle Maßnahmeträger denn die bekommen ihre Nasen vergoldet. Es sollte doch endlich mal nachgedacht werden, wenn Massen an Leistungsbeziehern durch solche Maßnahmen geschleust werden, kann doch nicht von Vermittlung auf den 1. Arbeitsmarkt gesprochen werden, es ist ganz einfach ein Geschäft und eine kosmetische Behandlung der Statistik.

 

M. Madaus

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