Sa

24

Apr

2010

Wochenbericht 16.Kalenderwoche

Beginnen wir heute den Wochenbericht mit einem Rückblick auf das vergangene Wochenende. Zwei Mitglieder des Vorstandes waren zu einem Treffen nach Wiesbaden eingeladen. Die Einladung kam von der Initiative für soziale Gerechtigkeit Wiesbaden, es war für uns ein neuer Blickwinkel auf die Dinge, die in der Erwerbslosenarbeit in den wie immer noch gesagt wird „alten Bundesländern" geleistet wird.

Was uns als 1. auffiel war, dass die Initiative auf Missstände in der Stadt oder im Land Hessen im Bereich der Sozialarbeit, mit Plakat -Aktionen im Stadtbereich von Wiesbaden aufmerksam macht. Diese Aktionen werden von der Stadt erlaubt, bei uns ist das undenkbar, dass Kommunalpolitiker in der Öffentlichkeit wegen schlechter Arbeit angeprangert werden. Wir brauchen noch ein großes Stück mehr an Selbstbewusstsein, denn solche Aktionen verfehlen nicht die Wirkung auf Bürger aus anderen Schichten, gerade von denen die noch nie mit ALG II, Tafeln oder Obdachlosigkeit in Berührung gekommen sind, kommt das Interesse an der Arbeit des Vereins. Ist es nun die Beruhigung des sozialen Gewissens oder hilft man hier wirklich aus der Überzeugung, denn der Verein bekommt Spenden von denen wir nur träumen können.

Für uns war es ein anstrengendes, mit vielen Diskussionen einhergehendes aber auch ein interessantes Wochenende, das wir mit vielen neuen Ideen für uns u. unsere Arbeit beendet haben. Am Montag und Dienstag haben wir uns dann voll auf unsere Sprechstunden konzentriert, bei denen wir am Montag in Zwickau wieder ein volles Haus hatten und am Dienstag in Glauchau ebenfalls. Man könnte sarkastisch zur Vermutung kommen, die ARGEn haben die Winterpause beendet. Na was wird wohl noch kommen, denn die Vorgaben sind jetzt schon in Teilen mehr als Unterdrückung und Gängelung aller Hartz IV-Betroffenen. Ein konkretes Beispiel, sind Hausbesuche, unangekündigt, überfallartig, provokant, wir sind die Behörde und du bist nichts. Wir kommen weil wir auf jeden Tratsch u. Klatsch aus deiner Nachbarschaft hören, wir die Behörde nehmen uns das Recht heraus, das Recht des Grundgesetzes zu unterminieren.

Artikel 13

(1) Die Wohnung ist unverletzlich.
(2) Durchsuchungen dürfen nur durch den Richter, bei Gefahr im Verzuge auch durch die in den Gesetzen vorgesehenen anderen Organe angeordnet und nur in der dort vorgeschriebenen Form durchgeführt werden.
(3) Begründen bestimmte Tatsachen den Verdacht, dass jemand eine durch Gesetz einzeln bestimmte besonders schwere Straftat begangen hat, so dürfen zur Verfolgung der Tat auf Grund richterlicher Anordnung....

Das ist nur ein Auszug aus dem GG, dem die ARGE keine Beachtung schenkt, die Mitarbeiter des Außendienstes der ARGE Zwickau Stadt haben in einem konkreten Fall, einer jungen Frau so zugesetzt, dass sie vollkommen verzweifelt zu uns kam. Ein vom Jugendamt zeitlich unbegrenztes Besuchsrecht für einen Vater, hat die ARGE auf die Idee gebracht, die Frau unter ständige Beobachtung zu stellen. Wie viel wollen wir uns noch von unserer persönlichen Freiheit nehmen lassen?

Am Dienstag waren dann die Betreuerin einer gehörlosen jungen Frau und die Betroffene selbst bei uns und haben sich über das Vorgehen und die Behandlung in der ARGE Glauchau beschwert und um Hilfe ersucht. Die Betreuerin/Gebärdendolmetscherin für Gehörlose war so empört über das Verhalten der SB, sie hat Tag für Tag mit Behörden zu tun, aber diese Behandlung einer Behinderten war für sie und auch die Betroffene unakzeptabel. Ein ähnliches Verhalten mussten wir dann auch noch erleben, als uns ein junger Mann ALG II-Betroffener um Begleitung zur ARGE bat. Seit November 2009 kein Geld und alles wird dann dem Betroffenen zur Last gelegt, die Teamleiterin der Eingangszone der ARGE Glauchau sollte ihr Auftreten gegenüber Kunden u. deren Begleitung schnellstens ändern. Immerhin nennt sich die ARGE noch Serviceagentur, was ist das für eine Art von Service, wenn man merkt, dass der Feierabend wichtiger ist, als das Anliegen der Kunden, die monatelang ohne Geld sind.

M. Madaus

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