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02

Apr

2010

Wochenbericht 13. Kalenderwoche

Die beiden Sprechstunden verliefen in dieser Woche eher ruhig. Bescheide, die so falsch waren, dass man nicht von einem Versehen ausgehen kann, sondern die die Ahnungslosigkeit der ausstellenden Personen nahezu zu 100% beweisen.
Am Donnerstag haben wir Flyer vor der ARGE Hohenstein-Ernstthal verteilt. Leider hat das Wetter nicht so mitgespielt. Es wehte im wahrsten Sinne des Wortes ein kalter Wind.

Was allerdings auffiel, war der neue Security-Mitarbeiter, ein junger dynamischer Kollege mit viel Selbstvertrauen und vorauseilendem Gehorsam. So kam er auch gleich raus gerannt und wollte wissen, was wir da machen. Als wir in der ARGE 2 Damen begleiteten wollte er uns offensichtlich der ARGE verweisen, als er von uns wissen wollte, ob wir denn arbeitslos wären.
Solche diensteifrigen Security-Mitarbeiter haben wir in noch keiner ARGE erlebt. Ich nehme mal an, er will noch die Karriereleiter nach oben, da muss man sich andienen, sonst kommt man von den rund 5 € Stundenlohn nicht weg.

 

Etwas Hochinteressantes ist aber dennoch geschehen. Am Dienstag kam eine junge Frau mit ihrem Vater in die Sprechstunde. Da die junge Frau U 25 ist und in Hohenstein-Ernstthal zu Hause, war uns allen klar, um was es sich handelt. Sie beschwerte sich über eine Arbeitsvermittlerin, die ständig in solchen Zusammenhängen genannt wird. So, wie die junge Frau uns das Gespräch schilderte, kann man nur sagen, dass der Umgang der Dame mit den Jugendlichen die reinste Schikane und Willkür ist.


Da die Vermittlerin vor ihrer Tätigkeit, Jugendliche zu schikanieren, die Selbständigen schikaniert hat, konnte der Vater auch so einiges berichten, da er Selbständiger ist. In dieser Angelegenheit versagt die Geschäftsleitung kläglich, oder sie ist über so eine Mitarbeiterin gar nicht so unglücklich, da sie mit ihrer Sanktionspraxis wahrscheinlich viel Geld einspart. Das lässt vermuten, dass die Moral und der Anstand bei den leitenden Personen eben so tief angesiedelt ist, wie bei der Vermittlerin. In so einer Behörde muss man von den Mitarbeitern neben einer fachlichen Kompetenz auch eine persönlich moralische Eignung verlangen. Es kann nicht sein, dass engagierte junge Leute zum bloßen Spielball unfähiger Mitarbeiter der ARGE gemacht werden. Hier ist die Geschäftsleitung gefragt und zwar schnell. Angesichts der vielen Dienstaufsichtsbeschwerden gegen diese Person , die stets mit einer plumpen Entschuldigung und keinerlei Eingeständnis beantwortet wurden, werden wir die Sache nicht ruhen lassen. Ab jetzt wird verstärkt versucht, jede Geschichte an die Öffentlichkeit zu bringen. Die Öffentlichkeit soll wissen, unter welcher schützenden Hand sich solche Mitarbeiter austummeln können.

 

Da die junge Frau sehr engagiert und bemüht ist, ist es ein Hohn, sie solchen Mitarbeitern auszuliefern. Sie hat ein Gesprächsprotokoll geschrieben, dass wir an dieser Stelle veröffentlichen wollen. Es zeigt sehr deutlich, wie die Umgangsformen der Mitarbeiterin sind, aber auch das Empfinden von jungen Menschen, wenn sie so eine Erfahrung machen müssen. Zum Glück ist die junge Frau psychisch sehr stabil, aber wir kennen auch junge Leute, die so eine Umgangsform schon sehr mitnimmt.

 

A. Pianski

 

 

 

Namen geändert, jede Übereinstimmung mit realen Personen ist rein zufällig.

 

Hohenstein- Ernstthal, den 25.03.2010

 

Gesprächsprotokoll

 

Als ich am 23.03.2010 zu einem schriftlich vereinbarten Termin für ein Gespräch über meine berufliche Situation um 9: 30 Uhr in der ARGE Hohenstein- Ernstthal, Schillerstr. 4, bei Frau Seiler erschien, wurde ich aufgrund ihrer Abwesenheit an Frau Fuchsig, wie ich erst später erfuhr, verwiesen.
Ohne sich vorzustellen und mir einen Platz anzubieten, begann diese sofort mit einer neuen Eingliederungsvereinbarung.
Eine abfällige Bemerkung über ihre Kollegin, Frau Seiler, deren Anforderungen an junge und arbeitsuchende Leute wohl zu nachsichtig seien, und die gleichermaßen unfreundliche Art und Auftreten dieser Betreuerin irritierten mich.
Bei ihr gäbe es so etwas nicht; ab sofort hatte ich mindestens 10 Bewerbungen pro Monat zu tätigen, muss mich bundesweit bewerben und jede Stelle annehmen, auch bei Zeitarbeitsfirmen, befristeten Angeboten und Niedriglöhnen.
Man müsse eben Abstriche machen, meinte sie.
Zusätzlich trug sie mich für Bewerberangebote als Küchenhilfe in den Computer ein, was weit unter meiner Qualifikation als staatlich anerkannte und geprüfte Diätassistentin liegt.
Ich erwiderte, dass ich dies nur im äußersten Notfall wahrnehmen möchte, worauf hin sie entgegnete, ich sei ein solcher Notfall, und dies in sehr hartem Tonfall.
Außerdem sollt ich innerhalb einer Woche selbstständig Kontakt zu zwei privaten Arbeitsvermittlern aufnehmen und mich dort für weitere Jobangebote registrieren lassen.
Auf wiederholte Nachfrage von mir, wohin ich mich diesbezüglich wenden könne, antwortete sie nur knapp und schroff, da könne sie mir nicht mit Adressen weiterhelfen, ich solle dies doch einfach mal im Internet "googeln". Als Abiturientin und engagierte junge Frau, die bereits einer Nebentätigkeit mit Aussicht auf Erweiterung dieser Beschäftigung nachgeht, fühlte ich mich wirklich verwechselt mit einem aussichtslosen Problemfall ohne jegliche Bildung und Interessen.
Einen solchen Umgang mit Kunden (!) der ARGE, insbesondere jungen, unerfahrenen Menschen, halte ich für unangebracht und vollkommen kontraproduktiv für das eigentliche Anliegen: einen individuell passenden, sicheren Arbeitsplatz zu finden!
Auf die Möglichkeit und mein Recht darauf, selbst die Inhalte der Eingliederungsvereinbarung mit zu verhandeln oder das Dokument erst mit nach Hause zu nehmen und prüfen zu lassen, bevor man unterschreibt, wurde ich in keinster Weise hingewiesen.
Die Eingliederungsvereinbarung wurde mir fertig verfasst vorgelegt und ich sollte gleich unterschreiben.
Auf eine Leistungskürzung von 100%, bei der ersten Nichterfüllung einer der Eigenbemühungen, wies sie mich allerdings scharf hin.
So abgefertigt und niedergeschlagen verließ ich die ARGE.
In meine Augen behindern solche Maßnahmen eine erfolgreiche Arbeitssuche nur, und bedeuten für den Betroffenen nicht mehr als überflüssigen, zusätzlichen Stress, sowie Zeit- und Arbeitsaufwand, der meine eigenen, viel realeren Bemühungen um einen würdigen Arbeitsplatz bloß erschwert.
So geht es vielen jungen Menschen, denn arbeitsfaule "Dummkopfe" bilden
wirklich die Ausnahme.
Genau so fühlte ich mich jedoch behandelt.
Im Gegensatz zu einer Ansprechpartnerin wie Frau Seiler, welche mich zuvor betreut hatte und sich stets freundlich, interessiert und engagiert zeigte, halte ich Frau Fuchsig für eine solche Position ungeeignet, denn all diese Eigenschaften, die so wichtig für einen sozialen Betreuer sind, blieben mir bei ihr völlig verborgen.

 

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