Di
23
Mär
2010
Warum sollten wir uns gegen Praktika und 1-€-Jobs wehren
Seit Anfang des neuen Jahrhunderts werden die Menschen mit Propaganda und Meinungsmache zur freiwilligen Aufgabe ihrer Menschenwürde und ihrer Selbstbestimmung veranlasst. Ständig wird in den Medien, ob öffentlich rechtlich oder privat, diese Propaganda verbreitet. Aussagen wie, sozial ist was Arbeit schafft, jede Arbeit ist besser als keine, wer Leistungen vom Staat bezieht hat die Pflicht etwas zurückzugeben oder, es gibt kein Recht auf Faulheit, werden, wenn sie nur lange genug wiederholt werden, irgendwann durch die Einfachheit ihrer Aussage, sich in den Köpfen der Menschen festsetzen.
Damit erreicht man zwei Dinge. Zum einen sind Menschen bereit, für sehr wenig Geld ihre Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen und zum anderen wächst die Bereitschaft sich missbrauchen zu lassen,
weiter nach unten zu treten. Ideale Voraussetzungen um aus der arbeitenden Bevölkerung das Letzte herauszuquetschen. Selbst unter den Hartz IV Beziehern herrscht die Spaltung und die Uneinigkeit,
weil solche platte Propaganda sich in den Köpfen festgesetzt hat. Da wird von denen die sich freiwillig versklaven, mit Fingern auf jene gezeigt, die das ablehnen.
Spätestens seit der Regierung Schröder-Fischer und Einführung von Hartz IV hat sich die ganze Angelegenheit verschärft. Mit Ausübung von Zwang und der Verbreitung von Angst werden die Menschen
gedemütigt, versklavt und erpresst. Der Sozialstaat wir um des Profites willen preisgegeben. Was Schröder-Fischer noch nicht zerstört haben, dass holen jetzt Merkel-Westerwelle nach. Im Moment
zerstören sie gerade die letzten solidarischen Reste der Krankenversicherung. Dabei versprechen sie vollmundig, dass für sozialschwache der Steuerzahler mit einem Zuschuss aufkommt. Da hat man
dann wieder einen Grund auf die Unterschicht draufzuhauen. Ganz so nach dem Motto, Gesundheitssozialschmarotzer.
Diese platten Sprüche, dass Erwerbslose durch kostenlose Arbeit der Gesellschaft etwas zurückzugeben hätten, ist purer Populismus. Wir haben für unsere unverschuldete Arbeitslosigkeit nichts,
aber auch gar nichts, den Profiteuren zurückzugeben. Im Gegenteil, hier hat der Staat mit höheren Leistungen, die ein Leben in Würde erlauben, eine sozialstaatliche Verantwortung. Das Geld für
diese dringenden Maßnahmen muss er sich von den Ackermännern und Essers holen, die mit ihrer grenzenlosen Geld- und Machtgier für diese Arbeitslosigkeit verantwortlich sind. Wir sind nicht die
Täter, sondern die Opfer. Würde erlangt man übrigens auch nicht, wie von vielen Politikern behauptet, wenn man eine unbezahlte oder gering bezahlte Arbeit hat. Arbeit ist kein Selbstzweck,
sondern soll den Lebensunterhalt sichern und dazu beitragen, dass man sich nach seinen eigenen Fähigkeiten entfalten und an der Gesellschaft teilhaben kann. Das schafft unbezahlte oder
geringbezahlte Arbeit in keinster Weise. Deshalb kann Arbeit keine Würde zurückgeben. Unbezahlte Arbeit oder geringbezahlte Arbeit entwürdigt und versklavt und verhindert deswegen gerade die
menschliche Würde.
Nun haben wir aber gerade eine Krise und in der Krise ist noch weniger Geld da als zu normalen Zeiten. Die Kassen sind leer, wird uns weisgemacht und der Sozialhaushalt der größte
Haushaltsposten. Aber warum ist das so? Seit Schröder Fischer gibt es Milliarden Steuersenkungen für Konzerne. Der Spitzensteuersatz wurde massiv gesenkt und die FDP verteilt fleißig weitere
Steuergeschenke. Zuletzt an die Hotelbesitzer und man macht sich für weitere Steuersenkungen stark. Der Staat macht sich absichtlich arm, um hinterher behaupten zu können, für die Arbeitslosen
ist kein Geld da. Hätten wir durchschnittlich Steuersätze der OECD Staaten, kämen 75 Milliarden Euro jährlich mehr in die Staatskasse.
Die Arbeitslosen sind nicht schuld an ihrem Schicksal, sie müssen sich auch nicht dafür entschuldigen, sie sind auch nicht unqualifiziert oder dumm, nein, sie sind Opfer der kapitalistischen
Marktwirtschaft und sie werden auch Opfer bleiben, wenn sie sich nicht zur Wehr setzen. Ein 1-€-Job gibt ihnen keine Würde, allerhöchstens ein Almosen für eine gewisse Zeit und er eröffnet ihnen
auch keine berufliche Perspektive, er nimmt ihnen die Würde als Mensch, weil sie für ihre Arbeit nichts bekommen um an der Gesellschaft teilnehmen zu können, um ins Kino, ins Theater oder ganz
einfach mal ins Restaurant zu gehen um ganz normale soziale Kontakte zu pflegen und er hilft mit, dieses System auszubauen und zu stärken. Schlimmer noch sind Praktika. Sie bieten unmittelbar den
Unternehmern kostenlose Arbeitskräfte und als Gegenleistung NICHTS, außer Hoffnung und die stirbt bekanntlich zum Schluss.
Also wehren wir uns gegen 1-€-Jobs, gegen Praktika und gegen die vielen sinnlosen Maßnahmen die uns die ARGE aufs Auge drücken will. Dazu dürfen sie die Eingliederungsvereinbarung auf keine Fälle
direkt beim Vermittler unterschreiben. Nehmen sie die EGV mit nach Hause, dass ist ihr gutes Recht und kommen sie zu uns, wir gehen die EGV dann mit ihnen gemeinsam durch. Kommen sie auch im Fall
einer Maßnahme im Vorfeld zu uns, vieles lässt sich auch ohne Sanktionen verhindern. Bei rechtlichen Problemen vermitteln wir an einen Fachanwalt für Sozialrecht weiter. ARGEn haben ihr eigenes
Recht (Unrecht), sodass vor Gericht die Dinge regelmäßig anders entschieden werden. Gehören sie nicht zu denen die mitmachen, sondern zu denen die sich wehren und kämpfen.
A. Pianski
Gegenwind e. V.
Arbeitsloseninitiative
Glauchau-Zwickau-Cloppenburg







