Fr
19
Mär
2010
Zähmung der fickenden Unterschicht
Oh, was für ein Segen, dass wir in manierlichen Zeiten leben! Oh, was für ein Glück, dass unsere Gesellschaft aus ihren Fehlern gelernt hat! Denn jetzt muß man keine Samenleiter mehr durchtrennen, Eierstöcke rausreißen oder Hoden entfernen - Schwachsinnige und Minderwertige können hormonell oder per Präservativ zu ihrer Kinderlosigkeit und zu unserem Glück gedrängt werden. Gezwungen? In keiner Weise! Alles freiwillig, alles ohne Zwang - wer aber hernach schwanger wird und sich mit fünf Bälgern quält, der soll nicht wimmern.
Dabei weint sich diese Gesellschaft turnusmäßig die Augen aus dem Kopf, weil sie zu wenig Kinder hätte. Nicht mal anderthalb Lendenfrüchtchen pro Frauenleben. Anderthalb klassenübergreifend wohlgemerkt! Denn im gesellschaftlichen Droben, berichten sie, plärren noch weniger Kinder, gleichzeitig hienieden die Geburtenrate zu hoch läge. Lakonischer: Die falschen Leute bekommen Kinder! Da beklagen sie sich, heulen unaufhörlich, weil sie schrumpfen und dann halten sie eine bestimmte Sorte Kind für unwürdig, ihre schrumpelnde und vertrocknende Gemeinde aufzufüllen.
Wenn es denn die Wahrheit wäre, dass droben weniger, drunter mehr Kinder den Nebel der Welt erblickten, so müßten doch Einsichten folgen, die sich von den heutigen Unkenrufen unterscheiden - man müßte das Unterschichtenkind besser fördern, ihm alle Möglichkeiten einräumen, finanzielle Barrieren auflösen, Bildung frei zugänglich machen, damit es die sich lichtenden Reihen schließen kann. Aber was macht diese Gesellschaft? Sie will Pariser verteilen, Hormonkuren finanzieren, damit aus den Kindern der Habenichtse nicht weitere Habenichtse entstehen. Sie will also verhindern - nicht fördern. Denn letztendlich sollen die richtigen Leute Kinder in die Welt setzen. Und das alles ohne Zwang! Zwang ist ausgeschlossen. Nicht mehr zeitgemäß. Schadet dem Image. Zwang? So ein verderbliches, so ein böswilliges Wort!
Niemand hat die Absicht, Hoden abzuklemmen; niemand will sterilisieren. Aber Pille und Kondom, großzügig angeboten, um sich der armen Schlucker und ihrer Brut zu erwehren - das muß doch erlaubt sein. Ohne Zwang, dafür mit Formular. Antrag auf Verhütungsmittelhilfe nach Paragraph soundso: Tragen Sie hier ein, lieber Penetrierender, wieviele Präservative Sie benötigen. Ihre Fallmanagerin wird Ihnen, nach eingehender Beratung, eine angemessene Stückzahl an Kondomen aushändigen. Dort gibt es dann Schelte, ob man denn krank sei, pervers vielleicht, weil man monatlich 25 Kondome wolle - das ist ja schon abartig! Selbst habe man nur zweimal Geschlechtsverkehr im Quartal, zudem einmal Fellatio im Monat - mehr Zeit habe man nicht. Aber woher soll ein Schmarotzer auch wissen, wie wenig es unter der Gürtellinie zwickt und juckt, wenn man zur Leistungsträgerschaft gehört. Denn man habe weder Zeit noch Muse, sei immer in Gedanken bei der tonnenschweren Verantwortung, die man für diese Gesellschaft trage. Sowas wird ein Schmarotzer auch nie verstehen. Zwei Ficks im Vierteljahr, einmal Blasen im Monat - und das, nach Termin und Absprache, immer mit demselben Partner. Wer aber 25 Gummis will, der nährt doch den Verdacht, dass er alles begattet, was seinem Pimmel Obdach gewährt - Sie widerliches, perverses, krankhaftes Schwein!
Gegenwind e. V.
Arbeitsloseninitiative
Glauchau-Zwickau-Cloppenburg







